11.09.2019

Die Welt darf bunt bleiben

Was passiert, wenn Menschen verschiedener Kulturen aufeinanderstoßen? Misstrauen? Streit? Toleranz? Oder kann es auch einfach Spaß machen? In Schwerin ist das so, besonders während der „Interkulturellen Wochen“.

Gunhild Nienkerk (2. von rechts) inmitten einer internationalen Frauengruppe
Gunhild Nienkerk (2. von rechts) setzt auf die Begegnung von Kulturen, nicht nur während der Interkulturellen Woche.  Foto: Antonia Schindler

In ganz Deutschland gibt es die „Interkulturelle Woche“. 1975 haben die evangelische, die katholische und die orthodoxe Kirche diese Woche der Begegnung erfunden. Kommunen, Gewerkschaften und Verbände unterschiedlichster Weltanschauung waren bald dabei. Eigentlich beginnt die Interkulturelle Woche am 22. September und endet am 29. September. 

Anders ist es in Schwerin. Dort gibt es keine Interkulturelle Woche, sondern vier Wochen am Stück. Seit vergangenem Sonntag läuft das Programm: 35 offene Veranstaltungen ganz verschiedener Art: Straßenfußball, Kino, offene Synagoge, offene Moschee, Töpfern, oder Märchen hören – und zwar auf Arabisch und auf Deutsch. Diese mehrsprachige Märchenstunde (26. September, 10.30 Uhr) findet in der Interkulturellen Begegnungsstätte in der Großen Wasserstraße 35 statt. Die Begegnungsstätte der Caritas steht mit elf Veranstaltungen ganz oben auf der Gastgeberliste. „Die Märchen sind nicht nur für Kinder gedacht“, sagt Gunhild Nienkerk, Koordindatorin der Integrationsprojekte bei der Schweriner Caritas. „Jede Kultur hat ihre eigenen Geschichten. Aber es gibt Märchen, die auf arabisch und deutsch ganz ähnlich sind. Man kann sich über solche Geschichten näher kommen und sehen: Die Differenzen sind gar nicht so groß.“ 

Selbstbewusste Frauen gibt es auch anderswo

Auf einen ähnlichen Effekt baut Gunhild Nienkerk, wenn sie am 17. September (10.30 Uhr) zu einem Austausch der Kulturen einlädt. „Die Welt ist bunt – und warum das so bleiben darf“ heißt der Titel. „Jeder hat seine eigene Idee vom Leben. Die ist in verschiedenen Kulturen verschieden. Aber es gibt auch innerhalb der Kulturen unterschiedliche Vorstellungen.“ Zum Beispiel in Sachen Familie: „Vater, Mutter, Kind gibt es in jeder Familie. Die Erziehungsmethoden sind verschieden. Aber sie sind auch nicht in einzelnen Ländern gleich. So ist es auch mit der Rolle der Frau. Eine arabische Frau kann durchaus selbstbewusst in ihrer Familie auftreten. Genauso wie es in Deutschland Frauen gibt, die sich ihren Männern unterordnen.“ Darüber wollen die Frauen und Männer an diesem Vormittag reden, vielleicht etwas Überraschendes erfahren und obendrein Spaß haben.

So wie an allen Veranstaltungen der Interkulturellen Wochen in Schwerin. „Die Kooperation ist seit Jahren gewachsen. Veranstalter ist die Stadtverwaltung, dabei Caritas, AWO Versöhnungsgemeinde Flüchtlingsbüro, Maltesern der Initative WLAN aus Lankow und vielen kleine Sportvereine. Es macht jedes Jahr Spaß, miteinander etwas auf die Beine zu stellen.“ 

Warum klappt in Schwerin die Zusammenarbeit verschiedenster Akteure so gut, während es an anderen Orten so schwer ist, alle unter einen Hut zu bringen? 

Der Vertreter der Katholiken im Interreligiösen Dialog Schwerin, Rudolf Hubert, hat dafür kein Rezept. „Eine solches vertrautes Miteinander wie wir es in Schwerin haben, das kannst du nicht machen! Das ist hier seit Jahren gewachsen.“ Aber eine Grundregel hat er in vielen Jahren gelernt. Keine Barrieren im Kopf haben, anderen vertrauen und das Geheimnis von Vernetzung kennen: „Du musst nicht alles alleine machen!“ 

Das gesamte Programm der Interkulturellen Wochen Schwerin steht auf den Internetseiten der Stadt: www.schwerin.de

Text: Andreas Hüser