11.05.2022

Die Pfarrei Heilig Geist holt Ihr Errichtungsfest in St. Bonifatius in Hamburg-Eimsbüttel nach

Ein Name, der verpflichtet

Bei schönstem Maiwetter wurde das Errichtungsfest der Pfarrei Heilig Geist in der Eimsbütteler Gemeinde St. Bonifatius nachgeholt. Ziel ist es, ein Netzwerk auszubauen, das auch die fremdsprachigen Missionen einbezieht.

Errichtungsfest der Pfarrei Heilig Geist
Erzbischof Stefan Heße (4. v. li.) zelebrierte den Gottesdienst im Rahmen des Errichtungsfestes in der Kirche St. Bonifatius. Der Backsteinbau entstand bis 1910 nach Entwürfen von Fritz Kunst. Zu seinen herausragenden Schmuckstücken zählt der neogotische Hochalter im Hintergrund, den die Osnabrücker Werkstatt Heinrich Seling fertigte. Foto: Matthias Schatz

Der Mai hat seinen besonderen Charme. So waren Gläubige und Geistliche denn auch nicht besonders betrübt darüber, dass das Errichtungsfest der Pfarrei Heilig Geist aufgrund der Corona­pandemie erst am 8. Tag des Wonnemonats stattfinden konnte, obgleich auch die Vorweihnachtszeit, für die es ursprünglich geplant war, für besondere Atmosphäre gesorgt hätte. Bei frühsommerlichem Sonnenschein strömten Mitglieder der Gemeinden St. Antonius in Winterhunde, St. Elisabeth in Harvestehude und St. Bonifatius in Eimsbüttel bis 14.30 Uhr in die Kirche St. Bonifatius .

„Heilig Geist – dieser Name ist eine große Verpflichtung“, sagte Erzbischof Stefan Heße in seiner Predigt in dem vollbesetzten Gotteshaus. „Der Heilige Geist gibt uns viel Gelassenheit in dieser Zeit.“ Er führe die Menschen. Jesus habe er in die Wüste geführt. „In der Wüs­te konzentriert man sich auf das Wesentliche.“ Von daher sei es vielleicht manchmal gar nicht so schlecht, in die Wüste zu gehen. Heße wünschte den Mitgliedern der Pfarrei, dass der Heilige Geist auf ihnen ruhe und rief ihnen zu: „Halten Sie auch die Wüste aus.“

Pfarrer Franz Mecklenfeld, der zuvor bereits St. Bonifatius leitete, verweist im Gespräch auf das Pastoralkonzept für den Raum Alster-Nord-West, das den Titel „Kirche in Beziehung“ trägt. Ziel ist es demnach, in dieser größeren Einheit, die „durch ein starkes, tragfähiges Netzwerk“ immer mehr ausgebaut werden soll, sich „den Herausforderungen der Zeit in Kirche und Gesellschaft“ zu stellen. Zu dem Netzwerk zählen neben St. Antonius, St. Elisabeth und St. Bonifatius sowie ihren jeweiligen Kitas und Grundschulen die spanischsprachige, die englischsprachige und die slowenische Gemeinde. 

Oscar López, Pfarrer der spanischsprachigen Mission, findet den „Zusamenschluss sehr gut“, weil dadurch ein Kontakt zu den deutschen und anderen fremdsprachigen Gemeinden entstehe. So komme es auch zu einem kulturellen Austausch. Viele Mitglieder dieser Gemeinde, die auch in St. Elisabeth zusammenkommt, stammen aus Lateinamerika – so auch López selbst, der im Partnerbistum Iguazú in Argentinien geboren wurde. 

Aus fünf Kontinenten kommen die Mitglieder der englischsprachigen Gemeinde, die seit mehr als 50 Jahren zur Messe in St. Elisabeth lädt. Zu ihr gehört auch Peter Lopez, der aus Malaysia stammt und den Zusammenschluss ebenfalls begrüßt. „Die Integration ist eine tolle Idee“, sagt er, doch sprächen viele der Gemeindemitglieder, die vornehmlich aus den USA, Kanada, dem Vereinigten Königreich, Indien, Australien, Ghana und Nigeria kämen, kein Deutsch. „Aber wir arbeiten daran“, sagt Peter Lopez weiter.

Kinder und Jugendliche stehen mit im Fokus

Caritas ist eines der Themenfelder, denen sich die Pfarrei Heilig Geist verpflichtet. Dazu zählt beispielsweise die seit mehr als 25 Jahren bestehende Suppenküche von St. Bonifatius. Bis zu 60 Menschen werden jeden Samstag von 12 bis 14 Uhr auf dem Kirchhof verpflegt. Es seien nicht nur Obdachlose, die dann kämen, berichtet Tobias Emskötter, der Leiter der Suppenküche. Solch eine Einrichtung erstaunt in einem Stadtteil, der als wohlhabend gilt, ähnlich wie Harves­tehude und Winterhude. Aber Eimsbüttel war urspünglich ein Arbeiterviertel. Daraus erkläre sich, dass es unter den alteingesessenen Bewohnern mittlerweile viele ärmere Menschen gebe, legt Emskötter dar. Gleichwohl: Auch bei materiellem Wohlstand kommt es zu belastenden Lebens­umständen, die natürlich ebenso im Blick sind. Bedeutend ist in diesem Zusammenhang die ökumenische Seelsorge am Universitätsklinikum Eppendorf, die ein weiterer Ort kirchlichen Lebens der Pfarrei ist.

Aufgrund der drei Grundschulen und drei Kitas erscheint es naheliegend, dass die Kinder- und Jugendpastoral ein weiteres Themenfeld der Pfarrei darstellt. Vor Ort zeigen sich beim Fest aber auch die Pfadfinder. Vor einer Jurte bruzzeln die Mitglieder eines Stammes der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg Mahlzeiten für die Jugendlichen. Überdies zählt die Katholische Hochschulgemeinde zu der neuen Pfarrei.

Außerdem sind Liturgie und Kirchenmusik weitere Themenfelder. Musik sei „gleichzeitig Gebet und Meditation“, heißt es dazu im Pastoralkonzept. So finden sich auch zwei bemerkenswerte Orgeln in der Pfarrei, die auch gern für Konzerte genutzt werden. Zum einen die „Opus 1“ Beckerath-Orgel in St. Elisabeth, zum anderen in St. Bonifatius die einzige erhaltene Konzertsaalorgel Hamburgs. Das Instrument ist eines der letzten Beispiele für den Typ einer symphonischen Konzertorgel deutscher Prägung des 19. Jahrhunderts. Beim Gottesdienst ließ Gabriele Hufnagel ihren fülligen, feierlichen Klang erschallen, teils begleitet vom Trompeter Boris Havkin.

Text u. Foto: Matthias Schatz