16.06.2021

Ein Tag für das ökumenische Erbe

Vor zehn Jahren, am 25. Juni 2011 wurden draußen vor der Lübecker Propsteikirche Johannes Prassek, Eduard Müller und Hermann Lange seliggesprochen. Gemeinsam mit dem evangelischen Pastor Karl Friedrich Stellbrink waren sie 1943 ermordet worden. 

Feststimmung vor dem Lübecker Gesellenhaus: Kardinal Kasper beim Auszug
Feststimmung vor dem Lübecker Gesellenhaus: Kardinal Kasper beim Auszug. Foto: Ralf Adloff

Es ist ein einzigartiges ökumenisches Zeugnis. Am 10. November 1943 wurden in Hamburg vier Geistliche aus Lübeck nach einem Urteil der NS-Justiz getötet: der evangelische Pastor Karl Friedrich Stellbrink und die katholischen Kapläne Johannes Prassek, Eduard Müller und Hermann Lange. Grund war ihre kritische Haltung zum NS-Regime. Die Erinnerung an die Märtyrer und ihre Verehrung ist vor allem in Lübeck nie erloschen. In jedem Jahr zur Todesstunde feiern Christen gemeinsam eine Messfeier in der Lübecker Propsteikirche, und am Sonntag vor dem 10. November wird in der Lübecker Lutherkirche, der Kirche von Pastor Stellbrink, ein Gedenkgottesdienst gefeiert. 

Schon vor der ersten Verhaftung hatten vor allem der evangelische Pastor Karl Friedrich Stellbrink und der katholische Kaplan Johannes Prassek ein gutes Verhältnis, was damals nicht selbstverständlich war. Unter anderem gaben sie die kritischen Predigten des Münsteraner Bischofs von Galen weiter. Karl Friedrich Stellbrink kam als erster ins Visier der nationalsozialistischen Machthaber. Am Tag nach dem schwersten Bombenangriff auf Lübeck, Palmsonntag 1942, hatte er in der Predigt das Unheil gedeutet. Das Gerücht, Stellbrink habe von einem „Gottesgericht“ gesprochen, ging durch die Stadt. Stellbrink, der anfangs den Nationalsozialismus bejaht hatte, wurde als Verräter angesehen und verhaftet, nach ihm auch die drei katholischen Kapläne. Die NS-Justiz sorgte dafür, dass der folgende Prozess mit dem Todesurteil endete. Die Haft im Bewusstsein des nahen Todes brachte die vier Geistlichen noch näher zusammen. Eindrucksvoll sind die Briefe, in denen die vier am Tag ihres Todes ohne jede Angst und voller Hoffnung und Glauben von ihren Familien Abschied nehmen. Kurz nach dem 60. Todestag der Lübecker Märtyrer beantragte der Hamburger Erzbischof Werner Thissen ein Seligsprechungsverfahren für die Kapläne. Die Feier fand am 25. Juni 2011 in Lübeck statt. Für das Problem, dass nur drei der vier Märtyrer „Selige“ der katholischen Kirche werden konnten, gab es eine Lösung. Pastor Stellbrink wurde in der gleichen Feier mit einem „ehrenden Gedenken“ gewürdigt. 

Erinnerungsfeier zehn Jahre danach

Die Lübecker Propsteikirche feiert den 10. Jahrestag der Selig­sprechung mit einem Gottesdienst am 25. Juni um 19 Uhr in der Propsteikirche Herz-Jesu, Parade 4.  Anschließend gibt es einen Erinnerungsabend (bei gutem Wetter draußen), an dem Stimmen aus dem Publikum und Akteure des Seligsprechungsverfahrens den 25. Juni 2011 betrachten. Dabei sind Erzbischof em. Werner Thissen, der evangelische Bischof em. Karl Ludwig Kohlwage, der Historiker Prof. Peter Voswinckel und als Moderatorin Mechthild Mäsker (NDR). 

Text: Andreas Hüser

  • Peter Voswinckel: „Geführte Wege – Die Lübecker Märtyrer in Wort und Bild“ (Verlag Butzon und Bercker und Sankt Ansgar Verlag Hamburg, 2010)
  • „Sag niemals drei, sag immer vier“ (Ansgar Medien 2012): Martin Thoemmes dokumentiert „Das Gedenken an die Lübecker Märtyrer von 1943 bis heute“, mit Details des Weges zur Seligsprechung. 
  • Internetseite zum Thema: www.luebecker-maertyrer.de