10.10.2018

Eine überfällige Würdigung

In Lübeck ist die neue Briefmarke zu Ehren der Lübecker Märtyrer vorgestellt worden. Alle Redner waren sich einig, dass die Marke angesichts des wachsenden Rechtspopulismus und rechter Gewalttaten zur richtigen Zeit kommt.

Bürgermeister Lindenau, Bischöfin Fehrs, Ministerpräsident Günther, Staatssekretärin Hagedorn und EB Heße bei der Präsentation der Briefmarke im Gedenken an die LübeckerMärtyrer
 V. li.: Bürgermeister Lindenau, Bischöfin Fehrs, Ministerpräsident Günther, Staatssekretärin Hagedorn, Erzbischof Heße   Foto: Marco Heinen

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) durfte sich freuen: Der bekennende Briefmarkensammler hat ein besonders rares Album mit ersten Exemplaren der neuen 70-Cent-Marke bekommen, die an den 75. Jahrestag der Hinrichtung der vier Lübecker Märtyrer erinnert. So ein Album bekamen am 4. Oktober im Lübecker Rathaus auch Erzbischof Stefan Heße, Bischöfin Kirsten Fehrs, Lübecks Bürgermeister Jan Lindenau (SPD) und weitere Ehrengäste überreicht. Doch einen Satz aller 2018 erschienenen Briefmarken der Bundesrepublik, hatte Finanzstaatssekretärin Bettina Hagedorn (SPD) nur für Daniel Günther dabei. Der hatte die Ostholsteinerin nämlich tags zuvor in Berlin getroffen, mit ihr über den Termin in Lübeck gesprochen und kokett gefragt, ob er ihr seine Briefmarkensammlung zeigen dürfe. Eine Anekdote, für die er die Lacher auf seiner Seite hatte.

Doch Günther war es durchaus ernst mit der Marke. Denn die Kapläne Johannes Prassek, Hermann Lange, Eduard Müller und Pastor Karl Friedrich Stellbrink, die am 10. November 1943 hingerichtet wurden, waren „Menschen, die schlicht und ergreifend Mut bewiesen haben“, so Günther. Er wolle bei seinen handschriftlichen Briefen möglichst oft die Marke verwenden.

Finanzstaatssekretärin Hagedorn betonte, dass das Finanzministerium seit Jahren keine Marken mehr aus Anlass des Todes eines Menschen herausgebe, doch dass der zuständige Minister Olaf Sch­olz (SPD) diesmal aus gutem Grund anders entschieden habe. Angesichts eskalierender Gewalt rechter Nationalisten sei „die heutige Würdigung vielleicht sogar ein überfälliges Zeichen der Anerkennung des Mutes derer, die bereit waren und sind, sich radikalen Kräften konsequent und entschlossen in den Weg zu stellen“, so Hagedorn.

Erzbischof Heße konstatierte: „Wir haben jetzt endlich die Marke, auf die wir so lange gewartet haben.“ Er dankte denen „die das Gedenken an die vier von Anfang an wachgehalten haben.“ Bischöfin Fehrs sagte, das Zeugnis der Märtyrer sei „ein großer ökumenischer Schatz“. 

Die Kirchenzeitung verlost fünf seltene und nicht im Handel erhältliche sogenannte Ministerkarten mit der Marke.

Text u. Foto: Marco Heinen