06.07.2022

Eine Bereicherung für alle

Gudrun und Dirk Parchmann kennt in St. Michael in Schwarzenbek jeder. 2019 hat sich das Ehepaar gemeinsam zur Leitung von Wort-Gottes-Feiern schulen lassen. Gerade rechtzeitig: Corona kam, und ihr Dienst wurde dringend gebraucht.

Gudrun und Dirk Parchmann am Ambo von St. Michael in Schwarzenbek. | Foto: Andreas Hüser

Im August 2019 meldete sich das Schwarzenbeker Ehepaar Gudrun und Dirk Parchmann für einen liturgischen Ausbildungskurs an. An sechs Wochenenden an verschiedenen Orten zwischen Flensburg und Rostock haben sie sich zu Leitern für Wort- Gottes-Feiern schulen lassen. Gudrun und Dirk Parchmann hatten Vorerfahrungen. In St. Michael in Schwarzenbek gehören sie zu den Säulen der Gemeinde. Beide haben schon oft vorn am Ambo gestanden. Und die Leitung ganzer Gottesdienste war für sie nur ein weiteres Glied in einer langen Kette von Ehrenämtern in ihrer Heimatgemeinde.

Gudrun Parchmann: „Am Anfang haben wir gedacht: Wir kommen ab und zu mal dran. Vielleicht machen wir mal eine Werktagsfeier am Dienstag… und dann kam Corona.“ Corona bedeutete: Viel mehr Sonntagsgottesdienste als vorher, denn es durften viel weniger Menschen als sonst in die Kirchen. Weil es nicht mehr Priester gab als sonst, mussten Laien einen Teil der Sonntagsgottesdienste leiten. Dazu kommt die Gestaltung der Familienmes-   sen und neuerdings auch der Friedensgebete, die an jedem Dienstag in einer der vier christlichen Kirchen der Stadt stattfinden. Nach zwei Jahren sind Gudrun und Dirk Parchmann keine Neulinge mehr, sondern erfahrene Liturgen. „Wenn man es regelmäßig macht, bleibt man dran und gewinnt Sicherheit“, sagt Dirk Parchmann.

Eine Stunde lang von allen beobachtet

Was man für diesen Dienst mitbringen muss: „Erstens Begeisterung für den Glauben und zweitens ein gewisses Selbstbewusstsein. Einen ganzen Gottesdienst leiten heißt: eine Stunde lang von allen beobachtet werden.“

Wenn sie nach dem Eingangslied nach vorn gehen und das Kreuzzeichen machen, ist allerdings schon vorher viel passiert. Liturgische Leitung bedeutet nicht allein das Ablesen von Messbuch-Texten. „Das ist gerade das Schöne“, sagt Gudrun Parchmann, „dass wir uns intensiv mit den Texten befassen und überlegen, wie man die anderen Elemente darum gestalten kann. Es gibt eine Struktur, aber in der Gestaltung sind wir frei. Ich möchte immer gern eine gewisse Vielfalt haben.“ Vielfalt heißt: Mal Symbole sprechen lassen oder Bilder an die Kirchenwand projizieren, aber auch liturgische Traditionen weiterführen. „Ich setze gern Weihrauch ein – allein, um die Messdiener mehr zu beteiligen.“

Als Ehepaar in der Leitungsfunktion zu sein, hat den Vorteil: Man kann miteinander über den nächsten Gottesdienst sprechen, Ideen austauschen, eine zweite Meinung einholen. Dagegen sieht man das Paar nie als Leitungsduo vor der Gemeinde. „Wir haben jeder unseren Stil, das wollen wir nicht mischen.“

Wichtig ist beiden: Es muss in jeder Feier eine Aussage geben, eine klare Botschaft, um die es im Gottesdienst geht – die nachher im Gedächtnis bleibt. „Wir packen ein kleines Paket, das die Leute in die Woche mitnehmen können.“ Zu diesem Paket gehören auch Zutaten. Etwa am Ende, bei den Vermeldungen, der Dank an alle, die mitgemacht haben und die in der vergangenen Woche in der Gemeinde tätig waren. Wichtig ist es auch, die Gemeinde im Blick zu haben. Schon vor der Kirchentür werden die Gottesdienstbesucher begrüßt, wer neu ist, wird nachher angesprochen. Der Ordnungsdienst, der während der Coronazeit die Impfpässe zu kontrollieren hatte, wurde deshalb in St. Michael zum Willkommens-Dienst umfunktioniert.

An jedem Gottesdienst gibt es viele Beteiligte: Messdiener, Küster, Gestaltung des Blumenschmucks, Orgel – wobei die Gottesdienstleiter die passenden Lieder des Tages auswählen. Vieles ist zu beachten, zu koordinieren und vorzubereiten. „Aber sobald der Gottesdienst beginnt, nach dem Kreuzzeichen, ist das alles weg. Da ist nur noch ,Flow‘ und ich fühle mich komplett getragen“, sagt Dirk Parchmann.

Die Reaktion aus der Gemeinde? Sie ist durchweg positiv, so als hätte es Wort-Gottes-Feiern immer schon gegeben. Dass der sonntägliche Gottesdienst der Gemeinde von einer Frau geleitet wird, das ist ja für alle eine neue Erfahrung. „Ich bin nachher schon angesprochen worden, ob ich auch eine Beerdigung machen würde“, erzählt Gudrun Parchmann. Aber eine Beerdigung, das sei noch eine andere Sache.

Dabei gibt es im Rahmen der Ausbildungskurse für liturgische Dienste auch solche, die zur Leitung von Begräbnisfeiern befähigen. Der nächste Kurs für Gottesdienstbeauftragte beginnt im August.  

Autor: Andreas Hüser