24.07.2019

Einfach mal Hallo sagen

Die Tourismusseelsorge ist ein wichtiges Element der Glaubensverkündigung. In Heikendorf bei Kiel gibt es dafür die Strandkorbkirche. Das Ziel ist, mit Menschen in Kontakt zu kommen, die eher keine Anbindung an Kirche haben.

Anne Koep u. Astrid Krell beim Kirchenstrandkorb in Heikendorf
Anne Koep (li.), Astrid Krell freuen sich am Strand von Heikendorf auf nette Gespräche. Foto: Marco Heinen

Plötzlich steht da das etwa zwölfjährige Mädchen im Bikini und fragt schüchtern, was die beiden Frauen da eigentlich machen. Das ist keine schlechte Frage. Denn die ökumenisch organisierte Strandkorbkirche am kleinen Strand von Heikendorf bei Kiel, die ist erklärungsbedürftig. „Wir sind von der Kirche“, sagt Gemeindereferentin Anne Koep erst mal. Dann berichtet sie dem Mädchen von dem Treffen der anderen Kinder, das zwei Stunden zuvor hier stattgefunden hat. Es wurde die Geschichte von der Maus Frederick erzählt, die kein Futter sammelt, sondern sich lieber an Sonnenstrahlen, Farben und Wörtern erfreut und scheinbar so gar nicht zu den anderen Mäusen passen will – und dann doch im Winter alle anderen Mäuse mit ihren bunten Erinnerungen bei Laune zu halten vermag. Und Koep spricht vom Segen, den es gleich um 17 Uhr geben soll. Artig bedankt sich das Mädchen für die Information und kehrt zufrieden zu den Eltern ­zurück.

Vom Evangelium und von Gott hat Anne Koep weder dem Mädchen noch anderen Badegästen etwas erzählt. Das würde hier am Strand auch irgendwie sonderbar wirken, so zwischen Eis- und Sonnencreme. „Ich brauche hier keine Legenden vom heiligen Franziskus vorzulesen – auch wenn es mir persönlich sehr viel gibt“, so Koep. Als Kirche raus aus der Komfortzone zu kommen und den Kontakt zu den Menschen zu suchen, darum gehe es. Nicht Ansprüche stellen, sondern einladend sein. „Niedrigschwellige Angebote“, so nennt man das in Kirchenkreisen.

Gemeinsam mit Astrid Krell und Karin Rockstein aus der Kirchengemeinde Heikendorf hat Koep den Samstags-Dienst in der „Strandkorbkirche“ übernommen. Von 14 bis 17 Uhr haben die beiden Frauen ein bisschen die Sonne genossen und, so ganz nebenbei, Flagge gezeigt: Kirche ist, wo man sie vielleicht gar nicht vermutet, nämlich direkt unter den Menschen. Auch und gerade im Urlaub. Am Strand, in der Urlaubssituation sei es jedenfalls deutlich einfacher, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, vor allem auch mit denen, die sonst völlig kirchenfern sind, sagen die beiden Frauen. 

Strandkorbkirche wird ökumenisch angeboten

„Wir haben gute Erfahrungen damit gemacht“, so Koep, die schon im vergangenen Jahr mit zum seinerzeit rein katholischen Team gehörte. Doch in diesem Jahr ist die evangelische Gemeinde mit im Boot. Und so ist jeden Samstag jemand am – mit blauen Banner gekennzeichneten – Strandkorb, wo es jeweils um 15 Uhr ein Kinderprogramm gibt. Der Mann von der Wasserwacht war sogar so freundlich, via Lautsprecher darauf aufmerksam zu machen. Acht Kinder kamen diesmal, dazu acht Eltern. „In die Kirchen geht von denen keiner“, ist sich Anne Koep sicher. Bei „Gottes Liebe ist so wunderbar“, das angestimmt wurde, konnte jedenfalls niemand mitsingen. Und doch: „Die werden mit einer guten Erfahrung von Kirche nach Hause gehen“, glaubt Astrid Krell.

Beide Frauen loben das Amt Schrevenborn, das sich sehr kooperativ bei der Zuteilung von einem der sehr begehrten und raren Strandkörbe gezeigt hat. Auch am benachbarten Strand von Schönberg hätten die Kirchen wie im vergangenen Jahr aktiv werden können, doch dort passe das Angebot nicht recht und auch die personellen Ressourcen fehlten, sagen sie. Schon jetzt gebe es einzelne Stimmen in der Gemeinde, die statt einer Strandkorbkirche für fremde Urlauber lieber mehr Engagement für das örtliche Gemeindeleben sähen – obwohl das Angebot nur wenige Euro kostet und wenige Arbeitsstunden der Gemeinde­referentin bindet. Koep ist die einzige Hauptamtliche im Team der insgesamt sechs Frauen; die anderen sind ehrenamtlich tätig. Und das zwei Monate lang, von Anfang Juli bis Ende August.

Der Segen muss an diesem Samstag entfallen. Über der Kieler Förde haben sich dunkle Gewitterwolken aufgetürmt. Es gilt, schnell alles wegzuräumen. 15 Minuten später beginnt das Unwetter, das an diesem Tag über Schleswig-Holstein hinwegfegt.

Text u. Foto: Marko Heinen