29.05.2019

In Elisabeths Rosengarten

Rund 1 200 Menschen feierten am Sonntag gemeinsam mit Erzbischof Stefan Heße die Errichtung der neuen Pfarrei Heilige Elisabeth im Garten des Bergedorfer Schlosses. Kinder trugen viel zum Gelingen des Festes bei.

Erzbischof Heße beim Festgottesdienst zur Eröffnung der neuen Pfarrei Heilige Elisabeth in Bergedorf

„Ich wünsche ihnen, dass von der neuen Pfarrei ein guter Duft ausgeht“, sagte Erzbischof Stefan.  Foto: Marco Heinen

Die neue Pfarrei zwischen Bille, Elbe und Sachsenwald, wird sie bald ein Rosengarten? Das jedenfalls wünschte Erzbischof Stefan Heße am Sonntag den 26 500 Katholiken der Pfarrei Heilige Elisabeth. Die Legende vom Brot für die Armen, das sich im Korb der heiligen Elisabeth zu Rosen verwandelte, kannte nach dem festlichen Gründungstag wohl jeder, der da war. Und das waren viele. 

700 Hostien waren für den Gottesdienst vor dem Bergedorfer Schloss bereit gestellt worden. Sie reichten nicht. Gegen Ende der Kommunionausteilung mussten sich die Mitfeiernden das Brot teilen. Währenddessen feierten 300 Kinder ihren eigenen Gottesdienst. In passender Umgebung im Bergedorfer Schloss. Schließlich war die Pfarrpatronin Landgräfin auf der Wartburg. 

Ein 200 Meter langer Zug mit verkleideten Kindern 

Und tatsächlich war sie dabei: Beim feierlichen Einzug, einem 200 Meter langen Zug, schritt das Landgrafenpaar Elisabeth und Ludwig mit seinem Gefolge voran. Sie wurden gespielt von Kindern der Kita Edith-Stein. Ein paar Regentropfen, ein paar kleine Windstöße, die die Seiten des Lesungsbuches durcheinanderbrachten, so etwas gehört auch bei einem Open-Air-Ereignis dazu. „Wir sind noch nicht genügend draußen“, gestand Erzbischof Stefan Heße. In schönen Gemeindehäusern könne man sich zwar zurückziehen und sich sicher fühlen. Aber: „Es ist wichtig, dass wir mitten in der Welt sind. Wären wir dort nicht zu finden, bräuchte es uns gar nicht.“ 

Erzbischof Heße warnte davor, die Vergangenheit zu verherrlichen und erinnerte an die biblische Geschichte von „Lots Weib“. Sie blickte zurück auf Sodom und wurde zur Salzsäule. Christen blicken dagegen mit Hoffnung auf die Zukunft. Denn sie sind unterwegs zur leuchtenden Heiligen Stadt Jerusalem, wie sie die Tageslesung aus der Offenbarung des Johannes beschreibt. 

Eine Eigenschaft des himmlischen Jerusalem war schon jetzt zu hören. Menschen verschiedener Nationen kommen darin zusammen. So wurden auch die Fürbitten, das Gloria und andere Elemente des Gottesdienstes in mehreren Sprachen gesungen und gesprochen. 

Formalien gab es nebenher auch zu erledigen: Als Vertreter des neuen Kirchenvorstands verlas Dirk Parchmann aus Schwarzenbek das Gründungsdekret. Die Pfarrei bekam neue Kirchenbücher – und einen Pfarrer. In feierlicher Form wurde Markus Diederich, bisher Pfarrer von St. Marien Bergedorf, in sein erweitertes Amt eingeführt. Und dann verließen die 1 200 Katholiken den Schlosspark – um in einer langen Prozession zur katholischen Schule und zum Jugend- und Kinderhaus St. Elisabeth weiterzuziehen. Dort wurde noch bis zum späten Nachmittag gefeiert.

Das Rätsel um 117 Rosen in einem Bonboniereglas

Mit einem Elisabeth-Musical, Kinderprogramm, Streichelzoo, Infoständen, Spezialitäten aus vielen Ländern, mit Wienerwurst und Zuckerwatte und Aufgaben: Wie viele Rosen befinden sich im Bonboniereglas? Mehrere, darunter Kaplan Ferdinand Moskopf, rieten richtig: 117. Schwester Myrta Stöckle, die seit Monaten in der Vorbereitung dieses Festes gearbeitet hatte, erntete am Ende den Lohn der Mühe: „Es war zuletzt wie in einem Bienenstock. Das summte nur noch.“ 

Die Rosen sollen die Pfarrei auch im alltäglichen Leben begleiten. „Was macht eine Rose, wenn man ihr nahe kommt?“, hatte Erzbischof Stefan die Kinder gefragt, als sie ein riesiges Rosenbild vor den Altar geschleppt hatten. „Sie piekst!“ Nein, das war nicht gemeint. „Sie duftet. Ich wünsche ihnen, dass von der neuen Pfarrei ein guter Duft ausgeht. Dass sie duften – und nie stinken!“ 

Text: Andreas Hüser