14.11.2018

Engagiert für die Schwächeren

Die Kolpingsfamilie in Neugraben besteht seit 70 Jahren. Die Gruppe ist eine generationsübergreifende Gemeinschaft, in der sich jeder für jeden einsetzt. Im Jubiläumsjahr werden gut erhaltene Schuhe gesammelt.

Neugrabener Kolpingfrauen bereiten das Büfett für den Jubiläumsempfang vor

Letzte Vorbereitungen für den Empfang zum Jubiläum: Maria Slenczek, Barbara Wolpers und Margit Düvel (v. l.) bereiten die kalten Platten für das Büfett vor.  Foto: Karin Istel

Es war ein regnerischer Donnerstagabend, als sich elf Männer in der Gaststätte „Zur Eiche“ trafen. Sie wollten nach dem Vorbild des Sozialreformers Adolf Kolping, dem Mitbegründer des weltweiten Kolpingswerkes, ihr Christsein leben. So gründeten sie die Kolpingsfamilie Hamburg-Neugraben. Das war am 16. September 1948. „Der kleine Verband hatte mit Gottes Hilfe Bestand“, freute sich Diakon Christoph Dziadek beim Festgottesdienst zum 70-jährigen Bestehen der Neugrabener Kolpingsfamilie. Aktuell gehören ihr in der Heilig Kreuz-Gemeinde etwa 50 Mitglieder an.

Im Gemeindesaal von Heilig Kreuz feierten anschließend mehr als 100 Gäste das Jubiläum der ältesten Gemeindegruppe. „Als größtes Sozialwerk der katholischen Kirche ist unser Kernstück und Schwerpunkt der verbandlichen Arbeit das Engagement für Familien sowie für die Schwächeren in unserer Gesellschaft“, sagte Heinz Slenczek. Er ist der erste Vorsitzende der Neugrabener Kolpingsfamilie. „Ich hätte mich nie so stark für die Kirche engagiert, wenn es die Kolpingsfamilie nicht gäbe“, blickte Slenczek auf seine 30-jährige Mitgliedschaft zurück. Auch Pfarrer Nikolaus Meran Koban, der den Festgottesdienst zelebrierte, konnte das nur unterstreichen: „Die Bereitschaft der Mitglieder für die Gemeindearbeit ist sehr groß. Die Kolpingsfamilie unterstützt meine Arbeit durch Zusammenarbeit und viel ehrenamtliches Engagement in der Gemeinde.“ Zu den Aktiven gehört auch Norbert Wolpers: „Ich bin seit 62 Jahren Mitglied bei Kolping, weil die ´nen Dreh haben zu Gesellschaft, Politik und Kirche.“ Das ist Familientradition. So gründeten Ernst und Erich Wolpers gemeinsam mit Johannes Exeler, Hermann Jürgerhansen sen., Alfons Kwasniewski, Alois Katein, Joh. Cords, Heinrich Hemker, Anton Engler, Herbert Grochowski und Helmut Narozny den örtlichen Zweig der weltweiten Kolpingsfamilie.

Dem Sozialverband gehören in Neugraben mehrere Generationen zwischen 29 und 95 Jahren an. Jana Düvel ist mit ihren 29 Jahren eine der Jüngeren. Sie will mit ihrem Engagement bei Kolping ein Zeichen setzen. „In der katholischen Kirche sind Jugendliche eher weniger aktiv. Ich möchte meine Gemeinde mitgestalten. Die Gemeinschaft in der Kolpingsfamilie ist interessant. Mehrere Generationen setzen sich für andere ein.“ Das konnte Änne Busch nach dem Tod ihres Mannes hautnah erfahren: „Alle haben sich um mich gekümmert. Die Kolpingsfamilie war der Krückstock, an dem ich wieder ins Leben zurückfand.“

Respekt, Geduld und nur manchmal Streit

„Wir sind als große Familie unterwegs. Es geht um das Mit­einander. Jeder bringt sich seinen Fähigkeiten gemäß ein“, sagt Bruder Stefan. Der geistliche Leiter der Gruppe beschönigt nichts. „Natürlich streiten wir uns auch manchmal, doch wir gehen sehr geduldig, mit Respekt und Rücksicht miteinander um.“

Im Jubiläumsjahr beteiligt sich die Neugrabender Kolpingsfamilie an der bundesweiten Aktion „Mein Schuh tut gut“. Es werden gut erhaltene, noch tragbare Schuhe gesammelt für Menschen, die sich kein neues, teures Schuhwerk leisten können. Spenden können bei der Kolpingsfamilie abgegeben werden, die sich jeden zweiten und vierten Dienstag im Monat um 19.15 Uhr in der Adolf-Kolping-Wabe, An der Falkenbek, trifft.

Text u. Foto: Karin Istel