24.02.2021

Es werden jetzt Taten verlangt

Am vergangenen Sonntag forderte die Initiative Maria 2.0 auch an mehr als 20 Kirchen des Erzbistums, Frauen zu Weiheämtern zuzulassen und wendete sich gegen Klerikalismus – unter anderem am St. Marien-Dom und vor St. Bernard.

Aktivistinnen von Maria 2.0 in Hamburg-Poppenbüttel im Gespräch mit dem Kaplan P. Zephyrin Devasagayam SAC der Gemeinde St. Bernard
Nach dem Gottesdienst wurde auf dem Kirchplatz vor St. Bernard in Poppenbüttel lebhaft über die Thesen von Maria 2.0 diskutiert. Auch Kaplan P. Zephyrin Devasagayam SAC (r.) stellte sich dem Gespräch mit den Aktivistinnen. Foto: Matthias Schatz

„Wenn wir jetzt nichts ändern, ist Kirche verloren.“ So drastisch mahnt Brigitte Jaschke vor dem Portal der Kirche St. Bernard in Poppenbüttel zum Handeln. Denn viele Gläubige verlören nun Hoffnung und Geduld. Jaschke gehört zu den Aktivistinnen der Initiative Maria 2.0, die am vergangenen Sonntag im Vorfeld der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz ihren Forderungen mit einem „Thesenanschlag 2.0“ Nachdruck verlieh (siehe Artikel auf Seite 1 der Neuen KirchenZeitung Hamburg vom 28.02.2021). Ihre Hauptforderung stand gleich an erster Stelle eines Plakats, das sie bundesweit – freilich nicht mit Nägeln, wie es die Legende um Martin Luther vorgibt, sondern schonend mit Klebefilm – an Kirchentüren befestigten: Auch Frauen sollen Zugang zu allen Ämtern bekommen, so wie es das Grundgesetz und die Menschenrechte garantieren. 

In Hamburg wurde das Papier mit insgesamt sieben Thesen natürlich auch am St. Marien-Dom im zentralen Stadtteil St. Georg an die schweren Metalltüren geheftet. Aber auch an Kirchentüren näher am Stadtrand, wie etwa die Holzpforte von St. Bernard. Hier wie dort wurden die Thesenpapiere zudem in kleinerem Format nach den Hochämtern an die herauströmenden Gottesdienstbesucher sowie an die Geistlichen verteilt. Gesucht wurde das Gespräch mit allen, „die guten Willens sind“, wie es in der Überschrift des Plakats heißt.

„Setzen uns ein, weil uns Kirche am Herzen liegt“

„Wir wollen mit dieser bundesweiten Aktion erreichen, dass die Bischofskonferenz aufmerksam wird und sich unseren Thesen stellt“, sagte eine der Sprecherinnen von Maria 2.0 Hamburg, Eva-Maria Schmitz, vor dem St. Marien-Dom gegenüber der katholischen Nachrichten­agentur kna. Die Initiative habe aber ebenso wenig wie seinerzeit Martin Luther mit seinem Thesenanschlag eine spalterische Absicht. „Wir setzen uns ein, weil die Kirche uns am Herzen liegt.“ Es sei notwendig, dass die Bischofskonferenz „endlich beginnt, sich ernsthaft mit den in der katholischen Kirche notwendigen Reformen auseinanderzusetzen und den Willen zu Veränderungen durch Taten bezeugt“.

Vor der Kathedrale stellte sich Dompropst Franz-Peter Spiza dem Gespräch. Grundsätzlich unterstütze er das Anliegen von Maria 2.0, sagte er ebenfalls kna. Allerdings gelte es, auch die Interessen der weltweiten Kirche zu berücksichtigen. Birgit Kühl, eine der Demonstrantinnen, kommentierte demnach enttäuscht: „Von den Priestern kommen immer die gleichen Gegenargumente. Wir rennen gegen Mauern.“

„Macht ist in der Kirche das Grundproblem“

„Ich finde das gut. Man muss seine Stimme erheben, um gehört zu werden“, kommentierte Alice Wenzel in Poppenbüttel die Protestaktion. „Super wichtig“, findet sie Melanie Giering, die auch Mitglied der Synodalversammlung ist und Maria 2.0 unterstützt. „Macht ist das Grundproblem in der Kirche“, sagte sie weiter und: „Wir müssen zeigen, dass Berufung nicht vom Geschlecht abhängt.“ Andreas Borkamp, der der Ethikkommission des Erzbistums Hamburg angehört, meinte ebenfalls in Poppenbüttel: „Wenn Kirche noch etwas zu sagen haben will, muss etwas kommen. Und Maria 2.0 ist dazu ein positiver Ansatz.“ 

Kaplan P. Zephyrin Devasagayam SAC, der zuvor die Messe in St. Bernard zelebriert hatte, stellte sich der Diskussion. „Ich fände es sehr gut, wenn Frauen auch Priesterinnen und Bischöfinnen werden könnten. Das sollte auch so klar formuliert werden“, sagte er. Ihn störe aber der teils pauschalisierende männerfeindliche Unterton. Frauen könnten die Macht ebenso missbrauchen wie Männer.

Text: Matthias Schatz u. Michael Althaus