11.03.2020

Für Gott und die Menschen

Als katholisch sein im Norden noch richtig hart war, gründete der Osnabrücker Bischof Wilhelm Berning einen Orden speziell für die Diaspora. Seit 100 Jahren gibt es die „Missionschwestern vom heiligen Namen Mariens“.  

ie Missionsschwestern vom heiligen Namen Mariens aus dem Norden im Jahr 2009 – zusammen mit Weihbischof Norbert Werbs.
Die Missionsschwestern vom heiligen Namen Mariens aus dem Norden im Jahre 2009 - zusammen mit Weihbischof Norbert Werbs.  Foto: Rainer Cordes

Was macht die Kirche, wenn sie große neue Aufgaben hat, in einem entlegenen Gebiet, ohne glaubensstarke Fachkräfte? Vor hundert Jahren gründete man einen Orden. Das tat der Osna­brücker Bischof Wilhelm Berning, als er Anfang des 20. Jahrhunderts die kirchliche Arbeit in der Diaspora stärken wollte. Er gründete den Orden der „Missionsschwestern vom heiligen Namen Mariens“. Seit 100 Jahren gehören die Missionsschwestern zu den Markenzeichen der katholischen Kirche in Mecklenburg, Schleswig-Holstein und Hamburg.  

„Schon die Anfänge unseres Ordens waren interessant“, erzählt Schwester Katharina Mewes.
Sie lebt im Kloster Maria Frieden in Schwerin, der größten Niederlassung im Norden. Am 25. März werden die Schwestern den 100. Gründungstag ihres Ordens feiern. Die Geschichte dieser Gemeinschaft hat eine abenteuerliche Vorgeschichte. Die ersten Schwestern wollten eigentlich in die Übersee-Mission. Sie hatten sich für den Orden der Maristen-Missionsschwestern entschieden und bereiteten sich auf ihren Dienst in der Ordenszentrale in Lyon vor. Das war 1914. Der Erste Weltkrieg brach aus, die deutschen Frauen wurden als „Kriegsgefangene“ festgehalten. Auch nach 1918 durften sie nicht nach Lyon zurück. Sie kehrten in ihre Heimatdörfer im Emsland zurück – immer noch beseelt von dem Ruf, in die Mission zu gehen. 

Die ersten Missionsschwestern vom heiligen Namen Mariens im Norden
Die ersten „Missionsschwestern vom heiligen Namen Mariens“ im Norden.
Archivfoto

„Bischof Berning sah darin einen Fingerzeig Gottes“, erzählt Schwester Katharina. Aus Rom holte er sich die Erlaubnis zur Ordensgründung, als General­oberin warb er eine Vorsehungs-Schwes­ter aus Münster an. Und er kaufte ein Hotel in Graal-Müritz. Das heutige Haus St. Ursula wurde der erste Einsatzort der „Missionsschwestern“. 

Im April 1921 legten die ersten Ordensfrauen die ewige Profess ab. Gut zehn Jahre später zählte der junge Orden mehr als hundert Schwestern. Ein Wunder? „Zu der Zeit wurden sehr viele karitative Orden gegründet“, erläutert Schwester Katharina. „Für viele war es damals eine Ehre, eine solche Berufung in der eigenen Familie zu haben. Und die Frauen konnten im Orden Berufe ausüben, die sie sonst nicht hätten lernen können.“ Leicht war ihr Dienst in der Diaspora nicht. Sonntags 30 Kilometer per Fahrrad mit einem Priester zu Gottesdienstorten fahren, war für viele Schwestern normal. Andere bereiteten in „Kommunikanten-Anstalten“ Kinder auf die Erstkommunion vor, arbeiteten in der Kranken- und Altenpflege, in Kindergärten und „Frohen Herrgottstunden“. 

Reiche Ernte in schweren Zeiten

Die politischen Umstände machten die Arbeit nicht leichter. Es gab Hausdurchsuchungen der Gestapo, das Mutterhaus wurde beschlagnahmt. Während des Krieges mussten die Ordensfrauen Medikamente für die Wehrmacht produzieren. Später in der DDR gab es zwar viele Hindernisse, aber auch Chancen. „Im Schweriner Krankenhaus etwa war Schwester Rita sehr gern gesehen. Sie besuchte katholische Patienten, aber auch viele andere wollten mit ihr sprechen“, berichtet Schwester Katharina. Und sie selbst hat nach unzähligen Gesprächen mit Müttern in der Kurklinik in Plön erfahren, wie wohltuend und wichtig den Frauen das Gespräch mit einer Schwester war. 

Heute ist die Zahl der Marien­schwestern zurückgegangen. Nur noch vier Niederlassungen gibt es im Erzbistum Hamburg: In Schwerin, Hagenow und zwei in Hamburg. Von den 193 Schwes­tern des Ordens leben heute 57 in Brasilien, drei in Paraguay und fünf in Schweden. 

Aber auch wenn man im Norden nur noch an wenigen Orten eine „Netter Schwester“ trifft. Die Gemeinschaft ist für alle da im täglichen Gebet. Der Tag einer Marienschwester beginnt mit den Laudes, täglich gibt es heilige
Messe, Rosenkranz, Schriftlesung, jeden Monat Einkehrtage und im Jahr acht Tage des Schweigens. Jeden Donnerstag treffen sich die Schwestern zur stillen Anbetung in Anliegen des Erzbistums. „Wir beten für Sie!“ Dieses Angebot macht das Schweriner Klos­ter Maria Frieden im Internet: Dort kann jeder Gebetsanliegen eintragen, die in das tägliche Gebet der Schwestern aufgenommen werden. „100 Jahre für Gott und die Menschen“, unter diesem Motto wird das Jubiläum gefeiert: Am 25. März (Verkündigung der Herrn) um 14 Uhr in der Schweriner St. Andreas-Kirche, Galileo-Galilei-Str. 22.

Text: Andreas Hüser