01.08.2018

Ganz entspannt am Strand

Die Kieler Citypastoral hat in Schönberg und Heikendorf zwei Strandkörbe angemietet. Es ist ein Angebot, bei dem es vor allem darum geht, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen.

Strandkorb der Kieler Kirche am Strand mit ehrenamtlichen Betreuern

Doris Becker (li.) und Karin Rockstein gehören zu den Ehrenamtlichen, mit denen Urlauber ins Gespräch kommen können.  Foto: Michael Althaus / kna

der Wind zaubert seichte Wellen auf die tiefblaue Ostsee. Hunderte Touristen entspannen bei Traumwetter am Strand des Ostseebads Schönberg in der Kieler Bucht. Etwas abseits des Getümmels auf der Deichwiese hinter der Promenade sticht ein Strandkorb besonders hervor: „Kirche am Strand“ steht auf dem blauen Banner auf der Rückseite. Kinderspielzeug, Sonnencremetuben und ein paar Muscheln liegen auf dem Boden. Im Strandkorb sitzt Doris Becker und ist in ein Gespräch mit einer älteren Dame vertieft. Becker ist eine von mehreren ehrenamtlichen Mitarbeitern, die hier künftig verschiedene Aktionen und bei Bedarf auch Gespräche für die Urlauber anbieten. „Wer Lust und Laune hat oder etwas für die Seele tun will, der sollte uns aufsuchen“, sagt sie.

Die katholische Citypastoral in Kiel hat in diesem Jahr erstmals zwei Strandkörbe gemietet, einen in Schönberg und einen weiteren im wenige Kilometer entfernten Heikendorf. „Hier sind die Menschen und verbringen ihre freie Zeit, hier sind sie ansprechbar und man kann ihnen begegnen“, sagt Gemeindereferentin Anne Koep. „Wir merken als Kirche, dass es wichtig ist, nicht nur zu warten, bis Leute zu uns kommen, sondern auch rauszugehen und ins Gespräch zu kommen.“

Jeweils zwei Mitarbeiter sitzen dienstags in Schönberg und samstags in Heikendorf. In Schönberg gibt es um 12 Uhr einen Segen zum Mittag, in Heikendorf um 15 Uhr eine Aktion für Kinder und Erwachsene, etwa ein Bibelgespräch oder eine Schatzsuche. Manche Mitarbeiter musizieren auch mit den Urlaubern. Ausgerüstet ist das Strandkorb-Team mit kleinen Sonnencremetuben mit einem Segensspruch, kostenlosem Trinkwasser und Spielzeug für die Kinder – Kleinigkeiten, die einen Anlass bieten, um in Kontakt mit den Gästen zu kommen. Vielleicht ergibt sich das ein oder andere tiefere Gespräch, so die Hoffnung.

„Natürlich geht kein Urlauber an den Strand, mit dem Ziel, Seelsorge zu bekommen“, sagt Doris Becker. Aber das könne sich durchaus ergeben: „Im Urlaub kommt manches Problem zutage, an das man schon lange nicht mehr gedacht hat. Dann ist es gut, wenn man mit jemandem darüber sprechen kann“, so die 66-Jährige. Aktiv ansprechen will das Seelsorge-Personal die Urlauber aber nicht: „Wir missionieren nicht. Wenn die Leute gucken, nehmen wir Blickkontakt auf und laden sie ein. Aber wir sind nicht aufdringlich“, so Becker.

Die Katholiken in Kiel und Umgebung sind nicht die einzigen, die die Kirche an den Strand bringen. In zahlreichen Urlaubsorten an Nord- und Ostsee bieten die beiden großen Kirchen Tourismusseelsorge an, häufig in ökumenischer Zusammenarbeit. Die Angebote reichen von Gottesdiensten im Sand über meditative Spaziergänge bis hin zu Spielen für Kinder. In Sankt Peter-Ording finden regelmäßig Mittagsimpulse an einem hölzernen Kirchenschiff direkt am Meer statt. In Wenningstedt auf Sylt gibt es sogar eine christliche Skatrunde.

Vorbild für die Kieler Initiative war die „Seelsorge am Meer“ des Bistums Osnabrück, die seit einigen Jahren ebenfalls mit Strandkörben im ostfriesischen Norddeich und auf der Insel Baltrum präsent ist. „Es ist immer wieder spannend, zu den Leuten rauszugehen“, sagt die dortige Urlaubsseelsorgerin Natalia Löster. Die Angebote rund um den Strandkorb wie Kindergottesdienste, gemeinsames Singen oder einfach nur Kaffee ausschenken stießen auf großes Interesse. Tiefere Gespräche ergäben sich dagegen nur gelegentlich. Wer etwas auf dem Herzen habe, suche eher den geschützten Kirchenraum auf. „Der Strandkorb ist für uns in erster Linie Treffpunkt und Werbeplattform, um zu zeigen: Wir sind da.“

In Schönberg läuft das Angebot des Kirchen-Strandkorbs erst langsam an. Für ihren ersten Mittagsimpuls hat Doris Becker die Geschichte über eine Muschel, die sich in eine Perle verwandelt, mitgebracht. Heute lauschen nur eine Handvoll Leute. Doch die Verantwortlichen sind zuversichtlich, dass es mehr werden, wenn sich ihr Angebot unter den Badegästen erst einmal rumgesprochen hat.    

Text u. Foto: Michael Althaus (kna)