16.06.2022

Geborgen in Gottes Gedanken

Die erste Wallfahrt nach der Corona-Pause brachte etwas Neues: Katholiken aus 14 Gemeinden der riesigen Pfarrei „Heilige Familie“ kamen zusammen, um mit Erzbischof Stefan Heße von Neu Wokern nach Teterow zu gehen.

Auf dem Weg nach Teterow: Wallfahrer machen Station im Wald. | Foto: Astrid Bartels

Schon vor drei Jahren hatten sich die 14 Gemeinden der heutigen Pfarrei „Heilige Familie“ gefragt: Wollen wir bei unserer jährlichen Wallfahrt einmal einen anderen Ort ansteuern? In den Neunzigerjahren hatte man sich in Neukalen getroffen, danach immer am Jugendhaus auf dem Teterower Koppelberg. 2020 sollte der Tag am Güstrower Dom stattfinden. Aber dann kam Corona, und zwei Jahre lang war gar keine Wallfahrt.

Der neue Ansatz brachte etwas ganz Neues: Ein Pilgerweg von Neu Wokern zur Petruskirche in Teterow. Die Vorteile: Der Weg führt idyllisch durch Wald und Feld. Und da die katholische Kirche in Teterow direkt am Bahnhof liegt, konnte man dort das Auto parken und per Zug zum sieben Kilometer entfernten Ausgangsort fahren.

Rechtzeitig vor der Wallfahrt wurde dann auch das „9-Euro-Ticket“ erfunden, was die Sache noch günstiger machte. 60 Pilger fanden sich am vergangenen Sonntag bei bestem Pilgerwetter in Neu Wokern ein – unter ihnen Erzbischof Stefan Heße und als besondere Gäste zwei Brüder aus Taizé. „Wenn man bedenkt, dass sich früher beim Weg zum Koppelberg gerade mal zehn Leute gefunden haben, ist das eine ganze Menge“, sagt Astrid Bartels aus Güstrow. Noch am Bahnhof teilte Herbert Kastner an alle Pilger Bänder mit Tonscherben aus. Die Jugendlichen der Firmvorbereitung hatten sich bereits am Vortag in Güstrow getroffen, am Lagerfeuer gesessen und eine Vigilfeier gefeiert.

Das Motto der Wallfahrt war dem Psalm des Sonntags entnommen: „Was ist der Mensch, dass du an ihn denkst?“ Mit dieser Frage beschäftigten sich die Gläubigen auf dem sieben Kilometer langen Pilgerweg. Ein Gedanke dabei war, dass wir Menschen in Gottes Gedanken sind, obwohl wir unvollkommen sind, und dass wir auf diese Liebe Gottes Antwort geben sollen, indem wir die Liebe einander mitteilen. „Wer bin ich vor Gott, dass Gott an mich denkt? Wer bin ich in der Kirche? Wie bin ich zu meinem Nächsten?“

„Wie schön, dich endlich widerzusehen“

n Teterow angekommen, wurde das Hochamt gefeiert. In seiner Predigt ging Erzbischof Heße auf das Geheimnis der Dreifaltigkeit ein. Gott ist die Liebe, deswegen ist er Dreifaltigkeit. Gott ist nicht nur Gemeinschaft von Vater, Sohn und Heiligem Geist, sondern auch ein Gespräch. Wir Menschen sind bei Gott nicht nur in Gedanken präsent, sondern eingebunden in das Gespräch Gottes.

Für die mehr als 200 Gläubigen, die den Gottesdienst vor der Petruskirche erlebten, war der Dreifaltigkeitssonntag seit langem mal wieder eine gute Gelegenheit, untereinander ins Gespräch zu kommen. Alle Gemeinden der Großpfarrei, die Sternberg, Güstrow, Bützow, Teterow, Matgendorf und Umgebung umfasst, waren vertreten. Und oft hörte man den Satz: „Wie schön, dich endlich einmal wiederzusehen.“ Für Pastor Peter Amowe indes war dieses Ereignis auch ein Abschied. Erzbischof Heße dankte ihm für seinen Dienst. Im Juli wird Amowe Mecklenburg verlassen und in die Hamburger Pfarrei Katharina von Siena gehen.

Dagegen kann es mit den Brüdern aus Taizé schon bald ein Wiedersehen geben. Sie boten allen Gemeinden an, sie zu besuchen und dort für das europäische Taizé-Jugendtreffen zu werben und darauf vorzubereiten. Das Treffen findet zum Jahreswechsel in Rostock statt.

Text: nkz