22.06.2022

Geht Kirche auch anders?

In der Vorbereitung der weltweiten Bischofssynode ist der erste Schritt getan. Eine Zusammenfassungen der Stimmen aus dem Erzbistum Hamburg ist an die Bischofskonferenz herausgegangen. Jetzt wird weiter zusammengefasst.

10. Oktober 2021: Papst Franziskus feiert einen
Gottesdienst im Petersdom anlässlich der Eröffnung
der Weltsynode der katholischen Kirche. | Foto: Stefano Spaziani/kna

Im Oktober 2021 hat Papst Franziskus zur Vorbereitung einer weltweiten Bischofssynode aufgerufen. Sie soll 2023 stattfinden. Das Besondere: Die Art dieser Zusammenkunft – also Synode – ist gleichzeitig das Thema: „Für eine synodale Kirche: Gemeinschaft, Teilhabe und Sendung“. Das griechisches Wort Synode, deutsch „Zusammengehen“, lateinisch: Konzil, steht seit der Zeit der Apostel für kirchliche Versammlungen, in denen wichtige Entscheidungen getroffen werden. Papst Franziskus möchte, dass die gesamte Kirche „synodaler“ wird. Nicht nur Bischöfe, sondern alle Glieder der Kirche sollen zu Teilhabe und Mitsprache zugelassen werden. Wie das konkret aussieht, das ist Thema der Versammlung.

„Welche Erfahrungen haben Sie bisher mit Synodalität?“ Das war eine der Fragen, die Erzbischof Stefan Heße im Herbst den Katholiken im Erzbistum Hamburg gestellt hat. Ähnliche Umfragen haben Bischöfe in Deutschland und in der ganzen Welt zur Vorbereitung der Weltsynode gestartet. Um die Millionen von Antworten zu kanalisieren, sollte jedes Bistum seine Ergebnisse in einem zehnseiten Papier zusammenfassen. Aus den 270 Seiten aus ganz Deutschland macht die Deutsche Bischofskonferenz wiederum ein zehnseitiges Papier, das im August fertig sein muss. Und aus allen Bistümern weltweit entsteht dann wiederum eine Zusammenfassung.

Ein großes Thema – aber nicht in Deutschland

In vielen Ländern ist die Synode ein großes Thema. In Deutschland ist die Reaktion eher verhalten – und auch im Erzbistum Hamburg kamen nur 18 Einsendungen. Vier Einzelpersonen haben sich geäußert, 14 Antworten kamen von Gruppen, von Pastoralteams, von fremdsprachigen Missionen – eine Pfarrei hat sich zwei Abende Zeit für diese Arbeit genommen. „Ich bin überhaupt nicht enttäuscht über das Ergebnis“, sagt Schwester Gudrun Steiß, Leiterin der Pastoralen Dienststelle. „Man muss bedenken: Gleichzeitig hat in unserem Bistum die Vermögens- und Immobilienreform begonnen, in Deutschland läuft der ,Synodale Weg‘ – viele haben gesagt: Wir behandeln diese Thema ja schon längst.“

„Der kürzeste der Beiträge umfasste vier Zeilen, der längste fünfeinhalb Seiten“, so Dr. Thomas Kroll, der die komprimierte Zusammenfassung erstellt hat – inzwischen hat der Erzbischof das zehnseitige Extrakt abgeschickt. Erwartungsgemäß offenbarten viele der Äußerungen eine kritische Einschätzung von „Teilhabe“ in der Kirche. „Es mangelt an Dialogbereitschaft, gegenseitiger Anerkennung und Transparenz“, heißt es in einem Beitrag, der auch in der Zusammenfassung zitiert wird.

Es gibt aber auch andere Erfahrungen. Ein Beispiel: Im Zusammenspiel von Gemeindeteams, Pfarrpastoralrat, Kirchenvorstand, Pastoralteam und Pfarrer seien Erfahrungen von Synodalität möglich, sie ständen sogar auf der Tagesordnung. Demokratische Strukturen, Gleichberechtigung der Geschlechter, Partizipation seien möglich, aber nur da, „wo nicht die Kleriker das Sagen, sie nicht die Macht haben (in Verbänden wie zum Beispiel DPSG, SKF)“, so heißt es in einem weiteren Beitrag.

„Müdigkeit und Resignation“

bei vielen Was ebenfalls deutlich wird: Unter den aktiven Laien macht sich „Müdigkeit und Resignation“ breit. „Eine Kirche, die Partizipation und Mitbestimmung von Laien und Laiinnen behindert, wird nicht als Ort gesehen, wo es sich lohnt, sich einzubringen.“ Zu den Wünschen gehört: Mehr Laienbeteiligung in der Liturgie, nicht nur als „Lückenbüßer“, mehr Einfluss der Gremien auf Bistumsebene, mehr Freundlichkeit und Respekt im Umgang, weniger Zentralismus, mehr Frauen an Entscheidungspositionen. Und zum Abschluss der Appell: „Ich möchte nicht nur darüber reden, sondern Taten folgen sehen!“

Auch wenn die kritischen Töne überwiegen: „Ich habe das nicht negativ gelesen“, sagt Schwester Gudrun. „Hier wird Stellung bezogen. Und es wird deutlich: Wir sind nicht bei Null. Wir sind gemeinsam unterwegs, für diese Einschätzung lese ich ein klares Ja. Gemeinsam entscheiden, da ist noch viel Luft nach oben.“

Wünsche, wie es anders werden soll, haben in den Beiträgen den meisten Umfang eingenommen, sagt Thomas Kroll. Unbeantwortet bleibt oft, welcher Weg dahin führt. Aber das zu klären, ist auch eine Aufgabe der Synode selbst. Und es kann sein, dass dort ganz andere Stimmen und Wünsche auftauchen als die der norddeutschen Katholiken. Der erste Schritt eines synodalen Weges sei immer: Aufeinander hören, und die Auffassung anderer respektieren.

Das zehnseitige Antwortschreiben des Erzbistums Hamburg ist veröffentlicht im Internet unter www.erzbistum-hamburg.de/Weltsynode

Autor: Andreas Hüser