16.02.2022

Weihnachtspakete der Caritas sind in der Ukraine angekommen

Geschenke in Tagen der Angst

Die unsichere Lage ist in der Ukraine überall zu spüren. Erst mit zweimonatiger Verspätung sind die Weihnachtspakete der jährlichen Caritasaktion auf die
Reise gegangen. Und es mehren sich die Anfragen nach Hilfe. 

Dmietro Bihun, Caritasdirektor aus Rohatyn in der Westukraine verlädt den Lkw mit Weihnachts­geschenken
Endlich geht es los. Dmietro Bihun, Caritasdirektor aus Rohatyn in der Westukraine verlädt den Lkw mit Weihnachts­geschenken – im Februar. Foto: Mathias Thees

Wie angespannt die Situation in der Ukraine derzeit ist, zeigt die jüngste Paketaktion der Caritas. 1 400 Pakete wurden Ende des vergangenen Jahres gesammelt. Es waren mehr als im Vorjahr. In jedem Jahr beteiligen sich Kitas, Schulen, Gemeinden und viele Einzelspender an dieser Weihnachtspaket-Aktion. Aber aus der Lieferung pünktlich zu Weihnachten wurde nichts. „Anders als sonst gab es Probleme beim Zoll, die nötigen Papiere waren nicht zu beschaffen, und so konnte der Lkw erst vor einigen Tagen losfahren“, berichtet Mathias Thees, Kontaktmann der Ukrainehilfe, die vor vielen Jahren von der Caritas Mecklenburg ausgegangen ist. 

Anfang der Woche war der Lastwagen immer noch unterwegs auf der 1 300 Kilometer weiten Strecke zwischen Schwerin und den Partnerstädten in der Westukraine. Die Päckchen mit Weihnachtsgeschenken für bedürftige Familien dürften jetzt aber noch willkommener sein als Anfang Januar, wenn die christlichen Kirchen des Ostens Weihnachten feiern. Denn die Anspannung wegen des drohenden russischen Einmarsches ist bei jedem Kontakt spürbar. 

„Die Ängste sind überall groß“

„Die Ängste sind überall groß. Auch in der Westukraine sind viele Familien direkt betroffen, weil ihre Angehörigen als Soldaten an der Front stehen“, sagt Mathias Thees. „Dazu kommt die schwierige wirtschaftliche Situation.“ Die Preise für die Grundnahrungsmittel seien Erhebungen zufolge seit Beginn der Krise um 30 Prozent gestiegen. Das trifft vor allem die arme Bevölkerung – diejenigen Menschen also, die die Caritas durch Suppenküchen, Essen auf Rädern, Behindertengruppen und Hilfe für Schulen unterstützt. Auch andere Güter werden im Land knapp. 

„In den vergangenen Tagen und Wochen erhalten wir immer mehr Anfragen nach Hilfe. Medi­zinische Produkte, Rollstühle, Verbandsmaterial, Desinfektionsmittel, chirurgische Ausrüstung, aber auch Wolldecken und Zelte.“ Zelte sind vor allem deshalb nachgefragt, weil die Hilfsorganisationen vor Ort sich für den Fall eines Krieges rüsten wollen. Krieg im Osten würde bedeuten, dass eine Flüchtlingswelle nach Westen rollt. „Man rechnet dort mit fünf Millionen Flüchtlingen, die irgendwo aufgenommen werden müssten“, sagt Mathias Thees. 

Einstweilen kann die Caritas die Hilferufe nur entgegennehmen. Sie selbst besitzt keine Medizintechnik und Katastrophenausrüstung. „Wir werden uns deshalb mit anderen Organisationen abstimmen. Erst einmal heißt es für uns – die nächsten Tage und Wochen abwarten. Eventuell ist auch eine finanzielle Hilfe nötig.“ 

Diese könnte durch eine Kollekte möglich werden. Denn die Ukrainehilfe der Caritas basiert vollständig auf Spenden. Einstweilen danken die Mitarbeiter der Caritas allen Helfern, die im Spätherbst Pakete für die Armen in Burschtyn, Rohatyn und Kolomyja gefüllt und gepackt haben. Besonders freut die Initiatoren aus Schwerin, dass sich auch eine Schule aus Hamburg beteiligt
hat, nämlich die Katholische Schule Blankenese. „Das zeigt, dass sich diese gute Sache mehr und mehr ausweitet“, sagt Mathias Thees. 

Seit 20 Jahren besteht die Partnerschaft zwischen der Caritas Mecklenburg und der regionalen Caritas in den ukrainischen Städten. Später stiegen auch zwei griechisch-katholische Diözesen (Ivano Frankivsk und Kolomyja) ein.

Mehr über die Ukrainehilfe der Caritas auf den Internetseiten www.caritas-mecklenburg.de 

Text: Andreas Hüser