02.06.2021

In Hamburg heißt es: warten

Wie geht es im Erzbistum Hamburg weiter? Noch gibt es keine Hinweise darüber, wie der Papst mit dem Rücktrittsgesuch von Erzbischof Stefan Heße umgeht. Gehandelt wird jetzt erst einmal nur in Köln

Ein nachdenklicher Erzbischof Heße beim Gründungsgottesdienst der Pfarrei St. Knud in St. Peter-Ording
 Erzbischof Stefan Heße bei einer seiner letzten Amtshandlungen: Gründung der Pfarrei St. Knud in St. Peter-Ording. Foto: Marco Heinen

Pressemitteilungen der Apostolischen Nuntiatur haben immer etwas Feierliches. Sie tragen Wappen und Siegel mit der dreifachen Krone und dem Petrusschlüssel. Die protokollarische Anrede der Bischöfe mit Eminenz, Exzellenz und Monsignore ist hier durchgehalten, während die Pressetexte der Bistümer auf diese Ehrentitel verzichten. Die Mitteilung ist kurz. Sie kündigt eine Apostolische Visitation des Erzbistums Köln durch den Bischof von Stockholm und den Bischof von Rotterdam an. Diese bewährten Kirchenmänner haben in Köln zwei Aufgaben. Sie sollen die „komplexe pastorale Situation“ des dortigen Bistums betrachten. Außerdem sollen sie „eventuelle Fehler“ des Erzbischofs Rainer Maria Woelki, der Weihbischöfe Dominikus Schwaderlapp und Ansgar Puff sowie des ehemaligen Kölner Personalchefs und Generalvikars Stefan Heße untersuchen. Die drei letzteren haben nach der Veröffentlichung des Kölner Rechtsgutachtens am 18. März ihre Ämter ruhen lassen. Weihbischof Puff ließ sich auf eigene Bitte beurlauben, Weihbischof Schwaderlapp und Erzbischof Stefan Heße boten Papst Franziskus ihren Rücktritt an. 

Damit ist der Vorgang, der eigentlich eine Kölner Sache ist, auch eine Angelegenheit des Erzbistums Hamburg. Seit dem Rücktrittsgesuch des Erzbischofs am 18. März gab es aus Rom bislang nur den vorläufigen Bescheid vom 29. März: „Papst Franziskus hat dem Erzbischof von Hamburg, Seiner Excellenz Monsignore Stefan Heße, eine Auszeit gewährt. Während seiner Abwesenheit wird der Generalvikar, Monsignore Ansgar Thim, die ordnungsgemäße Verwaltung der Erzdiözese sicherstellen.“ Noch hat der Papst nicht gesagt, ob er das Rücktrittsangebot annehmen wird oder nicht. Auch über den Zeitpunkt einer Entscheidung gibt es keine Anhaltspunkte. 

„Dringend auch für unser Erzbistum“

Generalvikar Ansgar Thim äußerte nach der Mitteilung der Nuntiatur die Hoffnung, dass mit einer Klärung der Konflikte in Köln auch eine Lösung für das Erzbistum Hamburg näher rückt. „Es ist wichtig und dringend auch für unser Erzbistum, dass Bewegung in die Sache kommt“, so Generalvikar Thim am Montag. „Ich gehe davon aus, dass vor Abschluss der Visitation und der Auswertung des Berichts der Visitatoren eine Entscheidung über den Amtsverzicht von Erzbischof Stefan allerdings nicht zu erwarten ist.“

Es war von Anfang an zu vermuten, dass es keine schnelle Entscheidung des Papstes geben werde. Denn letztlich handelt es sich nicht um einen persönlichen Einzelfall – wie etwa bei einem durch Krankheit bedingten Ausscheiden. Es ist vielmehr zu erwarten, dass künftige Missbrauchs-Ermittlungen bei weiteren Bischöfen Unkorrektheiten entdecken. Wie sollen die Betroffenen und der Papst damit umgehen? Stefan Heße ist der erste katholische Bischof, der im Zuge der Missbrauchsaufarbeitung den Rücktritt angeboten hat, das weitere Vorgehen wird unweigerlich zum Muster und Maßstab für ähnliche Fälle werden – und das nicht nur in Deutschland. 

In der vergangenen Woche hat sich Erzbischof Stefan in Rom aufgehalten und dort Gespräche geführt, wie der Pressesprecher des Erzbistums Hamburg, Manfred Nielen bestätigte. Über den Inhalt wurde allerdings nichts bekannt. Die Entscheidung über die Visitation in Köln wird aller Wahrscheinlichkeit nach schon vorher gefallen sein, auch so ein Plan bedarf ja eines Vorlaufs. 

Jetzt werden erst einmal die beiden Visitatoren die Kölner Zustände durchleuchten. Sie sollen sich ein Bild machen über eine sehr komplexe Situation – das Missbrauchsgutachten ist nur eine Facette davon. Innerhalb eines Monats, die Pressemitteilung spricht von Juni, wird das nicht zu schaffen sein. Die beiden Bischöfe werden ihre Eindrücke in einem Bericht festhalten, und dieser Bericht muss ausgewertet werden. Und im Erzbistum Hamburg heißt es weiterhin: abwarten.

Text: Andreas Hüser