21.08.2019

Hilfe für Regenbogenfamilien

Ein neues Angebot der Caritas in Hamburg: Sie berät Familien mit lesbischen, schwulen, bi-, trans- und/oder intersexuellen Partnern und Kindern – professionell, individuell, diskriminierungs- und kostenfrei.

Julia bludermann von der Beratungsstelle für Regenbogenfamilien
Julia Buldermann von der Beratungsstelle für Regenbogenfamilien
stellt Figuren auf dem „Familienbrett“ zusammen. Foto: Norbert Wiaterek

Ein wichtiges Arbeitsutensil ist das „Familienbrett“. Auf diese quadratische Unterlage stellt Julia Buldermann – ähnlich wie beim Schachspiel – mehrere Holzfiguren. Große runde Quader stehen für Mütter, große eckige für Väter. Die kleinen Figuren sollen die Töchter und Söhne darstellen.

Buldermann verschiebt die Holzstücke, stellt zwei Väter zusammen und zwei Kinder in die Mitte. Danach folgt eine neue Familienkombination: Neben zwei Müttern, die sich lieben und zusammen leben, steht ein Kind. Der leibliche Vater des Mädchens wird etwas weiter weg gestellt. „Mit Hilfe dieses Brettes kann ich Zusammenhänge sichtbar machen und Perspektivwechsel ermöglichen“, sagt die Caritas-Mitarbeiterin. Sie berät Regenbogenfamilien. Gemeint sind Familien mit lesbischen, schwulen, ­bi-, trans- und/oder intersexuellen Mitgliedern. Buldermann benutzt die Abkürzung „LGBT*I“. „Das Sternchen steht für weitere sexuelle Identitäten“, erklärt die Sozialpädagogin und systemische Beraterin.

Ziel: an Lösungen arbeiten

Das relativ neue und in dieser Form bislang wohl einmalige Angebot in Hamburg wird von der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration gefördert. In vier Monaten haben zwölf Regenbogenfamilien die Caritas-Räume aufgesucht. Einige Familienmitglieder waren einmal da, andere wollten mehrere Gespräche, die kostenfrei angeboten werden. Beispiele: Zur Beratung kam ein junger Mann, der Sorge hatte, wie sein Umfeld auf seinen gleichgeschlechtlichen Partner reagiert. Außerdem eine Frau, die ihren Ehemann verlassen hat, zu ihrer Freundin gezogen war und nicht wusste, ob ihre Kinder die Partnerschaft akzeptieren. Rat holte sich auch ein Vater, dessen Söhne bei der Mutter und ihrer Lebens­partnerin wohnen und der mehr Mitsprache bei der Erziehung des Nachwuchses haben will.

So vielfältig wie die Lebensmodelle sind, so vielfältig und individuell sind auch die Probleme in Regenbogenfamilien. Julia Buldermann und eine weitere Mitarbeiterin fragen, was von einer Beratung erwartet wird, woran die Klienten arbeiten wollen. Sie hören sich die Sorgen an, geben Tipps. „Natürlich ist auch Raum für Traurigkeit, etwa darüber, dass mein Kind ,anders‘ ist, als man es von ihm erwartet“, sagt Buldermann. „Manchmal geht es auch um philosophische Fragen: Bin ich glücklich? Werden meine Erwartungen erfüllt? Was ist der Sinn des Lebens?“ Ziel sei es, Bewegung zu initiieren, die Klienten auf ihren Wegen zu stärken und an Lösungen zu arbeiten. Bei Bedarf wird auch an andere Beratungsstellen/Kooperationspartner vermittelt, etwa wenn es um rechtliche oder medizinische Fragen geht. „Die Fälle sind immer kindbezogen.“ Auch andere Bezugspersonen der Kinder und Jugendlichen, etwa Großeltern, 

Nachbarn und Lehrer, können das professionelle, diskriminierungsfreie Beratungs­angebot nutzen.

„Das Erzbistum“, so Regina Seyer, Fachbereichsleitung Jugendhilfe der Caritas, „bietet der Beratungsstelle für Regenbogenfamilien große Unterstützung. Allerdings gab es auch einige wenige unschöne Kommentare und Beschimpfungen aus Kirchengemeinden. Aber die Caritas ist für alle Menschen da, die Unterstützung benötigen, unabhängig vom Alter, Geschlecht, der sexuellen Identität und Lebensform, der sozialen oder ethnischen Herkunft, von Krankheit oder Behinderung, Nationalität, Religion oder Welt­anschauung. Dieses Angebot kann ja auch eine Chance für die katholische Kirche sein, wenn wir zeigen, dass wir uns öffnen und uns um alle Menschen in Lebenskrisen kümmern.“

Text u. Foto: Norbert Wiaterek

Kontakt/Terminvereinbarungen: Danziger Str. 66, 20099 Hamburg, E-Mail: regenbogenfamilien@caritas-hamburg.de, Tel. 040 / 28 01 40-620