29.04.2020

Ikonen, Briefe, Telefonate

Kontaktbeschränkungen erschweren es Diakon Werner Heitmann im Malteserstift St. Elisabeth, dem gestiegenen Bedürfnis nach Seelsorge unter den Senioren gerecht zu werden. Neue Ideen bringen ein wenig Abhilfe. 

Eine Bewohnerin des Malteserstifts bepflanzt – in Vor-Corona-Zeiten – eines der Hochbeete, die für den Innenhof der Seniorenanlage gezimmert wurden
Eine Bewohnerin des Malteserstifts bepflanzt – in Vor-Corona-Zeiten – eines der Hochbeete, die für den Innenhof der Seniorenanlage gezimmert wurden. Foto: Werner Heitmann

Das Mobiltelefon plärrt mitten ins Gespräch hinein. Werner Heitmann schaut auf das Display. „Oh, da muss ich ran.“ Eine halbe Minute lauscht er der Stimme am anderen Ende der satellitengestützen Leitung. „Doch, doch, ich darf in das Eli hinein“, versichert er gegen Schluss des Telefonats. Heitmanns Seelsorge ist gefragt. Seit sechs Jahren unterstützt er die Betreuung der Senioren im „Eli“, wie das Malteserstift St. Elisabeth in Farmsen kurz genannt wird, seit drei Jahren als Diakon.

Ein älteres Mitglied des von Heitmann mitinitiierten Freundeskreises „Zuhause im Eli“ war im Badezimmer gestürzt und muss jetzt ins Krankenhaus. Der 58-Jährige, der mit Frau und zwei Söhnen im nahen Sasel wohnt, fürchtet das Schlimmste. 

Keine Infektion unter den 200 Senioren

Nein, eine Infektion durch das Coronavirus habe es in seinem „zweiten Zuhause“ noch nicht gegeben, hatte Heitmann noch zuvor versichert. 100 ältere Menschen leben dort als Mieter in betreutem Wohnen, weitere 100 in Pflege. Aufgrund der Pandemie verschärfe sich die Einsamkeit. „Infolge des Besuchsverbots hat der seelsorgerische Bedarf zugenommen“, berichtet Heitmann. Diesem gestiegenen Bedürfnis könne er aber nicht gerecht werden, weil man sich nicht in Gruppen treffen dürfe. Darauf aber baue der vor rund sechs Jahren aus einer Nähstube heraus entstandene Freundeskreis auf. 

Damals absolvierte Heitmann noch ein sozialdiakonisches Praktikum in dem Farmsener Malteserstift. „Ich wollte die Bewohner aus ihrer Lethargie holen, ihnen ein Zuhause bieten“, sagt er. Später richtete er dort sogar noch eine Tischlerwerkstatt ein, in der er mit Bewohnern unter anderem rund 1 000 Holzkreuze fertigte. Heitmann ist selbst gelernter Tischler, arbeitete später aber im Marketing eines großen Lübecker Medizingeräteherstellers. Für den ist er auch immer noch tätig. Seine „Karriere“ sieht er aber, wie er sich ausdrückt, seit 2014 in der „Nachfolge Christi“. 

Coronabedingt greift er für die Seelsorge nun häufiger zum Telefon. Und er verfasst Briefe an die 30 Mitglieder des Freundeskreises und weitere Bewohner, die sich entsprechend offen  zeigen. Zu Ostern ging er darin auf die Emmausjünger ein. „Dazu bekam ich viele Rückmeldungen. Denn deren Geschichte sagt uns, dass man nie die Hoffnung aufgeben soll.“ 

Zudem versendet er kleine Ikonen. Zuvor regten solche Heiligendarstellungen bei den Treffen des Freundeskreises Gespräche an. Passend zum Marienmonat Mai können bei ihm nun Ikonen der Gottesmutter bestellt werden, die er in seiner Tischlerwerkstatt in Sasel gefertigt hat. So können sie für sich und doch irgendwie gemeinsam beten. 

Samstags übernimmt Heitmann den Empfang

Zudem hat Heitmann zusammen mit Bewohnern des Eli noch vor Ausbruch der Pandemie Behältnisse für Hochbeete in der Tischlerei des Eli gezimmert. Sie sind im Innenhof des Stifts aufgestellt und werden nun von ihm und einer Bewohnerin bepflanzt. Sie gestalten so einen Aufenthaltsbereich, der wenigstens für ein bisschen Abwechslung sorgt. 

Einzelgespräche sind bei Wahrung der Abstandsregeln und mit Mundschutz dem Diakon auch noch möglich. Überdies übernimmt er jetzt samstags den Empfang. „Das entlastet das Pflegepersonal.“ Ihm bleibt dann auch Zeit für die Seelsorge. „Neulich habe ich drei solche Gespräche an einem Samstag geführt.

Den im Bad gestürzten Bewohner hat Heitmann übrigens gleich nach unserem Gespräch noch den aaronitischen Segen spenden können, wie er schrieb. „Ich habe ihm gesagt, dass ich für ihn jetzt jeden Morgen in der Laudes beten werde. Das war sehr emotional. Ich war zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle.“

Text: Matthias Schatz