18.11.2020

Im Gespräch mit der Kunst

Thorsten Weber baut eine Künstlerpastoral auf. Kulturschaffenden soll sie Seelsorge, ein Netzwerk und Möglichkeiten für Auftritte und Ausstellungen bieten – auch in Kirchen. Zugleich wird der Dialog mit ihnen gesucht.

Umgeben von Kunst und Kultur: Kaplan Thorsten Weber in seinem Büro

Umgeben von Kunst und Kultur: Kaplan Thorsten Weber in seinem Büro. Foto: Matthias Schatz

An der klaren Stimme, die die Worte präzise, in der richtigen Tonlage und Stärke wiedergibt, kann man es erkennen: Thorsten Weber ist Moderator. Er war es viele Jahre bei Klassik Radio und dann bei NDR Kultur, organisierte und begleitete darüber hinaus Kulturreisen, etwa „auf den Spuren Goethes nach Rom“ und trat bei literarischen Lesungen auf. Bis der Spross einer Eppendorfer Kaufmannsfamilie sich mit 45 Jahren entschloss, Geistlicher zu werden. Moderator ist der Kaplan immer noch, freilich anders, nämlich im Sinne eines Vermittlers, eines Moderierenden. Und zwar in seinem Zusatzauftrag der Künstlerpastoral, für den er 20 Prozent seiner Tätigkeit aufwendet. Wie seine pastorale Arbeit in der Pfarrei St. Maria, die 80 Prozent seiner Stelle ausmacht, nimmt er ihn seit dem 1. Oktober wahr.

„Es heißt nicht Kulturpastoral, sondern Künstlerpastoral, weil dabei der Mensch, der Kultur schafft, in den Blick genommen wird“, sagt der 57-Jährige. Das bedeutet selbstverständlich auch Seelsorge, für die der Bedarf aufgrund der Corona-bedingten Auftrittsverbote und Schließungen und den damit einhergehenden Existenzsorgen gestiegen sei. Die Musiker, bildenden Künstler, Schriftsteller und andere Kulturschaffende wie etwa Museumsdirektoren, Kuratoren oder Konzertveranstalter müssten dabei nun kein Glaubensbekenntnis ablegen. Vielmehr wolle er die Kirche im Gespräch mit Künstlern halten, sagt Weber. „Das bedeutet auch, dass man sich in Frage
stellen lässt“, sagt Weber. 

Religiöse Motive spielen Rolle in heutiger Kunst

Damit werde an die beste Tradition der katholischen Kirche angeknüpft, für die viele der bedeutendsten Werke der Kunst- und Musikgeschichte geschaffen wurden. „Es ist interessant, dass religiöse Themen immer noch eine Rolle bei vielen Künstlern spielen“, ergänzt Weber. Er weiß dies auch, weil er Kunstgeschichte im Nebenfach studiert hat. Sein Hauptfach war Jura, das er dann jedoch zugunsten einer Karriere als Kulturjournalist aufgab. Bis er 2008 ein weiteres Studium, und zwar das der Philosophie und Theologie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Georgen begann. Er schloss es mit einer Arbeit über die „Cathedra Petri“ ab, einem Werk des Barockkünstlers Gian Lorenzo Bernini in der Apsis des Petersdoms. „Die Arbeit ist eine Mischung aus Ekklesiologie und Kunstgeschichte“, sagt Weber. 

Natürlich gehe es ihm jetzt auch darum, den Künstlern ein Netzwerk zu bieten, Möglichkeiten für Aufführungen und Ausstellungen zu schaffen, erläutert Weber. Nicht zuletzt auch in Kirchen. Dies könnte in separaten Veranstaltungen geschehen, aber eine bestimmte Musik oder ein Bild und ein Dialog darüber könnten auch in die Liturgie eingeflochten werden. Letzteres gebe es beispielsweise im Bistum Trier, berichtet Weber. Ob und wenn ja, wie dies geschehe, sei natürlich Sache der jeweiligen Pfarreien. In Blankenese, wo Weber im Paulushaus von Maria Grün lebt, sei „die Bereitschaft dazu vorstellbar“.

Anknüpfen an Arbeit der Katholischen Akademie

Webers Auftrag für die Künstlerpastoral gilt zwar für das gesamte Erzbistum, zunächst aber will er sich vornehmlich um Hamburg kümmern. Dort organisieren die Jesuiten bereits seit Jahren Veranstaltungen, wie sie Weber vorschweben, im Kleinen Michel. Daran möchte er ebenso anknüpfen wie an die Arbeit der Katholischen Akademie, die auch Kooperation und Dialog sucht.  Derzeit ist er mit verschiedenen Institutionen und Abteilungen des Erzbistums im Gespräch, um konkrete Projekte auf die Beine zu stellen. Die Mittel dafür seien angesichts der Finanzlage des Erzbistums zwar beschränkt, gleichwohl: „Große Budgets sind nicht unbedingt notwendig, um in den Dialog zu kommen“, sagt Weber.

Text u. Foto: Matthias Schatz