21.07.2021

Integration durch Gartenarbeit

Auf der Parzelle „Vielfalter“ in Güstrow sind junge und ältere Menschen aus verschiedenen Ländern aktiv. Das Projekt wird von den Maltesern unterstützt. Sollte es die Corona-Lage zulassen, wollen die Hobbygärtner gemeinsam feiern.

Stefan Goen und Jutta Hamann arbeiten im großen Kräuterbeet, das im interkulturellen Garten „Vielfalter“ angelegt wurde
Stefan Goen und Jutta Hamann arbeiten im großen Kräuterbeet, das im interkulturellen Garten „Vielfalter“ angelegt wurde. Foto: now

Bunte Blumen, große Früchte, summende Insekten und dazwischen fleißige Hobbygärtner: Nach der Corona-Zwangspause herrscht wieder Leben im interkulturellen Garten „Vielfalter“ in der Güstrower Südstadt. Das Areal an der Werner-Seelenbinder-Straße ist seit 2017 eine Oase der Erholung für die Menschen aus den umliegenden Wohnblöcken ebenso wie für die Bewohner der benachbarten Flüchtlingsunterkunft und die Kinder aus der Schule am Inselsee.

Pestizide kommen nicht in die Erde

Wie in jedem Garten ist es auch dort wichtig, den Boden zu bewirtschaften. Pflanzen müssen gegossen, Unkraut gejätet und später die Früchte geerntet werden. Pestizide und Mineraldünger kommen nicht in die Erde, auf Plastik wird nach Möglichkeit verzichtet, Naturmaterialien sind willkommen.

„In diesem ökologischen Garten dreht sich aber nicht alles nur um die Arbeit. Es geht auch um Weltoffenheit und Solidarität, das Lernen voneinander und den Austausch sowie das Erleben der Gemeinschaft von verschiedenen Generationen und Kulturen“, berichtet Ljudmila Kuhlmann. „Gärtnern verbindet. Alle Menschen sind gleich, Gemüse kennt keine Nationalitäten.“ Kuhlmann ist Mitglied im Trägerverein Tuimaada aus Ros­tock, der die Fläche gepachtet hat. Unterstützt wird das Projekt unter anderem von den Malteser-Werken, die auch das Flüchtlingsheim betreiben.

Ein Teil des 2 000 Quadratmeter großen Areals wird als Schulgarten und blühendes Klassenzimmer genutzt. In einem anderen Bereich schaukeln bunte Blumen im Wind. Daneben ein Gewächshaus mit Tomaten und mehrere Beete. Abdullah Goued, der vor fünf Jahren aus Tschetschenien nach Deutschland geflüchtet war und mit seiner Frau und vier Kindern seit zwei Jahren in Güstrow zu Hause ist, freut sich, bald Radieschen, Petersilie, Dill, Erbsen, Paprika, Kürbisse und Rote Bete ernten zu können. „Durch die Zusammenarbeit mit Einheimischen wird die Integration leichter“, meint der 53-Jährige. „So lerne ich die deutsche Sprache und finde Freunde.“ Der Lkw-Fahrer lässt sich von Jutta Hamann zeigen, was zu tun ist, damit die Ernte später üppig ausfällt. „Ich bin Gartenfan, habe genügend Zeit und freue mich, wenn ich etwas verändern kann“, erklärt die Seniorin, die viele weitere Flüchtlinge unter ihre Fittiche genommen hat. „Wer Erfolge sieht, hat mehr Spaß an der Arbeit.“

Martina Nösse, die das Projekt angeschoben hat – Vorbild war eine Initiative in Neubrandenburg – wünscht sich, dass noch mehr Güs­trower mitmachen. „Vielleicht auch Ältere, die keinen großen Garten mehr bewirtschaften können oder wollen, denen eine kleine Parzelle ausreicht und die die Gemeinschaft suchen. Das ist ein niedrigschwelliges Angebot. Man kann eigene Beete pflegen, anderen bei der Gartenarbeit helfen oder auch einfach die Natur genießen. Eine Gebühr ist nicht zu zahlen“, so Nösse. Sie erinnert sich, wie es vor einigen Jahren auf diesem Areal ausgesehen hat: „Das war eine Schutthalde. Wir mussten zunächst viel Muttererde verteilen.“ Dank vieler Spenden und För­dergelder ging es bergauf. Jetzt stehen auf dem Gelände ein Gewächshaus und ein Geräteschuppen, eine Koch- und Grillstelle, eine Sitzbank aus Robinienholz und ein Sandkasten, in dem Kinder spielen können. Mittlerweile gibt es auch genügend Gartengeräte und fließendes Wasser, ebenso wie eine bienenfreundliche Blühwiese und einen Kräutergarten. Am vor vier Jahren gepflanzten „Baum der Menschlichkeit“ reifen Äpfel. Für Feste wurde ein Holzpavillon mit Stühlen und Tischen ausgestattet. Helfer bauen ein großes Insektenhotel auf.

Gartenfreunde planen ein Sommerfest

Die Gartenfreunde hoffen, dass sie sich trotz Coronapandemie in diesem Jahr wieder zu einem Sommerfest treffen können. Das letzte gab es im Jahr 2019. Ein Flohmarkt auf dem „Vielfalter“-Gelände ist Ende August / Anfang September geplant. Kuhlmann wünscht sich außerdem wieder Grillfeste und Umweltseminare für Kinder. Der Nachwuchs soll beispielsweise lernen, wo die Lebensmittel herkommen und wie leckerer Kräuterquark zubereitet und Brot gebacken wird. Wer eine Parzelle kostenfrei bewirtschaften möchte, kann sich bei Martina Nösse unter Tel. 0176 / 50 55 19 24 oder bei Ljudmila Kuhlmann, Tel. 0176 / 84 98 43 22, E-Mail: kuhlmann.rostock@gmx.de melden.

Text u. Foto: now