25.08.2021

Schiffsbesatzungen wegen Corona in Not

Kein Landgang, keine Impfungen

Sie dürfen nicht mehr an Land, der Crew-Wechsel funktioniert nicht, und viele Seeleute können auch nicht nach Hause fahren. Schiffsbesatzungen sind wegen Corona mehr in Not als andere. Missio und Seemannsmissionen schlagen Alarm. 

Seemann auf einem großen Ozeanriesen
Dieser Mann gehört zu den 1,5 Millionen Seeleuten, die weltweit auf Schiffen leben und arbeiten. Foto: Marco Heinen

Landgänge sind kaum mehr möglich und die Impfquote unter den Besatzungen ist gering: Viele Seeleute
werden in der Coronakrise offenbar teils massiv in ihren Rechten beschnitten. Das wurde in der vergangenen Woche bei einer Online-Podiumsdiskussion deutlich, die das internationale Missionswerk Missio, die katholische Seemannsmission „Stella Maris“, die Deutsche Seemannsmission und die Philippinisch-Katholische Mission im Erzbistum Hamburg im Rahmen eines Internet-Live­streams veranstalteten.

„In den Häfen in Mecklenburg-Vorpommern ist für viele Seeleute kein Landgang möglich“, beklagte die Sprecherin für maritime Wirtschaft der Grünen-Bundestagsfraktion, Claudia Müller. „Selbst im Ostsee-Pendelverkehr gibt es Seeleute, die nicht an Land dürfen.“ Grund dafür sei die Corona-Verordnung des Landes.

Der evangelische Seemanns­pas­tor Matthias Ristau verwies darauf, dass das internationale Recht den Seeleuten visafreien Landgang gestatte. Deswegen müsse an dieser Stelle der Bund eingreifen. „Es kann nicht sein, dass einzelne Bundesländer sich über internationales Recht hinwegsetzen.“

Nur 15 Prozent der Seeleute sind geimpft

Die Leiterin der Hamburger Seemannsmission „Stella Maris“, Monica Döring, beklagte die geringe Impfquote unter den Schiffsbesatzungen. Nur 15 Prozent der Seeleute sei derzeit gegen das Coronavirus geimpft. Zwar gebe es im Hamburger Hafen ein Impf­angebot für Seefahrer, aber auch dazu müssten die Besatzungen an Land dürfen. Und auch wenn dies in Hamburg rechtlich möglich sei, würden noch immer viele Reeder ihren Besatzungen aus Sicherheitsgründen verbieten, an Land zu gehen.

Der Staatsminister im Auswärtigen Amt und Hamburger Bundestagsabgeordnete Niels Annen (SPD) sprach sich während der Diskussion dafür aus, mit einer besseren internationalen Koordinierung die Impfquoten auf den Schiffen deutlich zu erhöhen. Inzwischen hat die Bremer Seemannsmission eine Impfaktion an Bord von Schiffen organisiert.  750 Seeleute sind dort von mobilen Impfteams auf ihren Schiffen geimpft worden. 

Text: kna