20.03.2019

Männer des Buches

Was sind die Glaubensquellen eines Bischofs, Imams oder Rabbis? Dieser Frage ging die Katholische Akademie Hamburg in einem Abendgespräch nach. Entstanden sind persönliche Einblicke in drei ganz unterschiedliche Leben. 

 Weihbischof Eberlein, Rabbi Dr. Moshe Navon und Imam Abu Ahmed Yakobi (v. l.) 
Weihbischof Eberlein, Rabbi Dr. Moshe Navon und Imam Abu Ahmed Yakobi (v. l.)  Foto: Joanna Figgen

„Niemand hat mir von Gott erzählt als ich ein Kind war. In der Sowjetunion war Glaube kein gelebtes Thema. Es hieß, dass Religion primitiv sei. Nur Menschen, die geistig krank seien, würden an Gott glauben.“ So erinnert sich Rabbiner Dr. Moshe Navon an seine Kindheit. Dennoch habe er das Unfassbare immer gespürt. Er habe gespürt, dass „etwas existiert“.Mit dieser Erinnerung begann am Montagabend das interreligiöse Gespräch zwischen Weihbischof Eberlein, dem Imam Abu Ahmed Yakobi und dem Rabbi. 

Anders erinnert sich Weihbischof Eberlein: „Glaube ist mir begegnet durch Vater und Mutter, Tante und Onkel und Gebete. Wenn ich zur Schule ging, gab es davor immer einen Segen. Dann erst durfte ich gehen.“ 

In Libyen, so der muslimische Imam, musste man nicht über Gott reden. „Es roch einfach überall nach Gott. Die Sprache war durchtränkt von Gott. Die Welt war geladen mit Gott.“ Bis er sich zum Glauben hinwendete dauerte es jedoch, so Abu Ahmed Yakobi. 

Trotz der unterschiedlichen Kindheitserfahrungen offenbarte der Abend viele gleiche Glaubensquellen. Dass die jeweilige Heilige Schrift für die drei Geistlichen die Hauptquelle darstellt, verwunderte nicht. Weihbischof Eberlein und Dr. Moshe Navon kamen überein, dass das Lesen der Heiligen Schrift immer wieder Neues offenbart. „Was mir da geschenkt wurde, ist mir immer wieder neu. Wie ein Gemälde! Es wird nicht langweilig. Die Stellen sprechen mit mir“, sagte der Weihbischof. 

Für die Männer des Buches ist auch die Auseinandersetzung mit dem anderen eine wichtige Quelle: „Gespräche und Dialoge machen aus uns andere Menschen. Auch der Bezug zu den eigenen Traditionen ändert sich. Andere Perspektiven verändern uns“, sagte Abu Ahmed Yakobi. Weihbischof Eberlein fügte hinzu: „Häufig weiß der andere um Dinge, die ich selbst nicht so kenne. Der andere ist ein Wissensträger.“

Übereinkunft bestand auch in der Auffassung: Das Leben ist „die wichtigste Universität“. Imam Yakobi: „Das Theologiestudium ist eine Lebensaufgabe und nicht eine Aufgabe für eine Anzahl an Semestern. Ein Spruch eines Propheten sagt: Du sollst lernen von der Wiege bis zur Bahre.“

Text u. Foto: Joanna Figgen