08.05.2019

Nicht länger Zuschauer sein – mitmachen!

Das Wetter war so wechselhaft wie das Leben – aber sonst hat der „Tag der Kulturen“ in Schwerin gehalten, was er versprochen hat. Es war ein grünes Fest im Garten, mit einem voll gepackten Programm und vielen Attraktionen. Und das Wichtigste: Man konnte richtig tolle Menschen kennenlernen. Aus Mecklenburg, Schleswig-Holstein und aus der ganzen Welt. 

Beim Tag der Kulturen in Schwerin präsentiert Dien Hong ein Spiel aus Vietnam
In Vietnam spielen die Kinder dieses Spiel auf der Straße. Ein paar Steine, ein Stück Kreide und los geht’s. Mit Dien Hong ist dieses Spiel auch in Schwerin heimisch geworden.  Foto: Marco Heinen

„Ich heiße Sümeyya.“ 

„Wie noch mal Sü…“

„Ist kompliziert?“ 

„Ja.“ „Und wie heißt du?“ 

„Mein Name ist ganz leicht: Anna.“ 

Solche Wortwechsel konnte erleben, wer am vergangenen Samstag in Schwerin-Lankow dabei war. Einander kennenlernen, etwas voneinander erfahren, das war der Sinn dieses Tages. Oder einfach nur: Miteinander feiern. Denn das konnte man, obwohl das Wort „Fest“ nicht auf dem Programm stand, sondern nur „Tag der Kulturen“. Etwa 300 Menschen aus verschiedenen Nationen, ja Kontinenten waren zusammengekommen. 

Fast alle davon sind aktiv in der Begleitung von Flüchtlingen, oder sind selbst als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen. „Was uns verbindet, ist, dass wir zu Teilnehmern geworden sind – dass es uns nicht nur um uns geht“, sagte Weihbischof Horst Eberlein im Auftaktgottesdienst. Das erinnere an die biblische Geschichte vom Zöllner Zachäus. Auch er musste sein Versteck und seine Rolle als Beobachter aufgeben, um teilzunehmen an seiner Geschichte und sich zu verändern. 

Auch das Fluchtjahr hat vieles verändert, sagte Dagmar Kaselitz, Integrationsbeauftragte des Landes Mecklenburg-Vorpommern, in einem Grußwort. „Wir haben in dieser Zeit die Kraft der Zivilgesellschaft erlebt.“ Eine Verantwortungsgemeinschaft sei entstanden, bei der die Religionsgemeinschaften eine wichtige Rolle gespielt hätten. 

Wie verantwortliches Handeln geht, konnten die Anwesenden in verschiedenen Diskussionsrunden erfahren. Vor allem aber war dieses Treffen so, wie Stefanie Grote (Flüchtlingshilfe Caritas) angekündigt hatte: „Ein freudiger, unbeschwerter Tag, an dem vielleicht auch Freundschaften entstehen.“ 

Bei Schach und Boxen waren die Gegner Landesmeister

Einige Male hieß es zusammenrücken, als Graupelschauer die Wiese des Erzbischöflichen Amtes heimsuchten. Aber im nächsten Moment wurde schon wieder vor der Bühne getanzt. Zwei Bands zeigten, wie sich die westliche und die östliche Welt verbinden können. Die Wuppertaler Band „Jazzformation Ufermann“ und „SAFAR“ mit Musikern aus Syrien, dem Iran und aus Kiel. Es gab Hähnchen, Spieße und gebackene Bananen aus Syrien. 

Und sogar Sport und Spiel war international vertreten. Wer Mut hatte, riskierte eine Schachpartie gegen den syrischen Schachmeister Faisal Aljarf, oder trat im Boxen gegen den Ex-DDR-Meister Detlef Krause an. Oder sie spielten das Spiel, das Kinder in Vietnam mit Kreide und Steinchen auf jedem Bürgersteig spielen: Thay Da. Dazu luden Frauen des Schweriner Vereins Dien Hong ein. Der Vietnamkrieg (1955–1975) mit fünf Millionen Toten ist schon fast vergessen. Aber auch aus diesem vom Krieg geschlagenen Land haben einmal viele geflohene Menschen eine Heimat in Deutschland gefunden. 

Text: Andreas Hüser