05.02.2020

Nicht nur für Mütter mit Kind

Die katholische Familienbildungsstätte Hamburg fokussiert sich unter neuer Leitung stärker auf den Eltern-Kind-Bereich, hält aber doch für jede Altersgruppe etwas parat. Die Teilnahme ist nicht religionsgebunden. 

Drei der Damen von der Familienbildungsstätte (v.l.): Gabriela Jankowsky, Katrin Kühl und die neue Leiterin Simone Klein.
Drei der Damen von der Familienbildungsstätte (v.l.): Gabriela Jankowsky, Katrin Kühl und die neue Leiterin Simone Klein.  Foto: Matthias Schatz

„Das war schwer“, sagt Simone Klein. Doch die Leiterin der katholischen Familienbildungsstätte Hamburg e.V. und ihre vier Mitarbeiterinnen haben es geschafft, eine Hebamme für Rückbildungskurse nach der Schwangerschaft zu gewinnen, die nun im März beginnen können. Angesichts des teils eklatanten Mangels an Hebammen können und dürfen sie sich darüber ebenso freuen wie die vielen Mütter, die einen Bedarf dafür bei ihnen signalisiert haben. Mit ausschlaggebend für die Zusage der Hebamme seien die großen, hellen und freundlichen Räumlichkeiten an der Lübecker Straße 101 und die Arbeits­atmosphäre gewesen, sagt die 44-Jährige, die selbst zwei kleine Kinder hat.

Schon seit 2018 arbeitet Klein in der Familienbildungsstätte, vergangenen September übernahm sie die Leitung von Eva Quack, die auf eine andere Stelle wechselte. Den Schwerpunkt der Arbeit setzt Klein im Eltern-Kind-Bereich, den sie bereits betreute, bevor sie die Verantwortung für die ganze Einrichtung übernahm. „Der soll auch weiter ausgebaut werden“, sagt Klein.

Rund 300 Kurse – von 90 Dozenten

„Es ist uns jetzt gelungen, jeden Tag dafür ein Angebot zu haben.“ Meist finden diese Kurse am Vormittag statt. So etwa auch PEKiP, das „Prager-Eltern-Kind-Programm“, das der Psychologe Jaroslav Koch entwickelte. Es beinhaltet spezielle Anregungen und Bewegungen für Babys bis zu einem Jahr. „Wir wollen aber auch mehr Kurse am Nachmittag bieten, die sich an Kinder richten, die am Vormittag in der Kita sind“, so Klein.

Insgesamt bietet die katholische Familienbildungsstätte in ihrem mehr als 200 Seiten umfassenden Programm für dieses Jahr rund 300 Kurse von knapp 90 Dozenten. Viele der Veranstaltungen werden übrigens nicht nur am Sitz der Einrichtung angeboten, sondern auch in den Hamburger Gemeinden, einige zudem in Schulen und Kitas. So findet beispielsweise am 22. Februar für Familien mit Kindern im Alter von drei bis sechs Jahren ein Taufkurs in den Räumlichkeiten der Gemeinde Heilig Kreuz (Farmsener Landstraße 181, gegenüber vom U-Bahnhof Volksdorf) statt. Von 9.30 bis 16 Uhr können sich Eltern mit der Frage befassen, ob sie ihr Kind taufen lassen. Es sind noch Plätze frei, eine Anmeldung ist erforderlich, die Teilnahme ist kostenlos.

Bis zu 2 500 Menschen nehmen gegenwärtig hamburgweit das Angebot wahr, und zwar nicht nur Katholiken. „Wir sind offen für alle“, betont Klein. Und es sind nicht nur junge Mütter und Väter mit ihren Kindern, an die sich die Kurse richten. „Die Idee ist, Familien zu begleiten“, sagt Klein. So gibt es etwa auch Veranstaltungen für Paare, deren Kinder Beruf oder Studium beginnen und das Elternhaus verlassen. Auch Beratung im Umgang mit Trennungen oder Streitigkeiten wird angeboten – ein Feld, mit dem sich Klein, die Diplome als Wirtschaftspädagogin und Handelslehrerin hat, aufgrund ihrer Zusatzausbildung als Mediatorin ebenfalls auskennt. 

Selbst für Senioren hält die Familienbildungsstätte ein Angebot parat, etwa für gesundes Essen im Alter. Yoga-Kurse, Wanderungen, Rechtsfragen, Reisevorträge – es ist für jeden etwas dabei. Und das auch auf Englisch und Spanisch. Denn viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer sprechen kein oder kaum Deutsch, was die Vielfalt der Katholiken in Hamburg widerspiegelt, von denen rund ein Drittel keine deutsche Staatsbürgerschaft haben. „Gerade die englischsprachige Krabbelgruppe ist sehr bunt gemischt“, berichtet Klein. Eine spanischsprachige Eltern-Kind-Gruppe habe sich zudem angeboten, weil auch die spanische Mission im gleichen Haus sitzt. Im Fokus steht bei beiden Veranstaltungen die zweisprachige Erziehung, zumal viele Elternpaare verschiedene Nationalitäten haben, also ein Teil Spanisch oder Englisch spricht, der andere Teil Deutsch. 

Wer einmal da war ist begeistert

Zugute kommt Klein dabei ihre internationale Erfahrung: So studierte sie unter anderem im schwedischen Lund. „Ich habe einen Hang zum Nordischen“, sagt die gebürtige Bambergerin, die sich somit in Hamburg – und damit auch in der Nähe Skandinaviens – sehr wohl fühlt.

Ein weiteres Anliegen von Simone Klein ist es, die Familienbildung bekannter zu machen und zumindest in Hohenfelde, wo ihr Sitz ist, und im benachbarten St. Georg besser zu vernetzen.­ Dies
erscheint umso notwendiger, als man den Eingang zu der Einrichtung an der Lübecker Straße leicht übersehen kann. Denn er liegt nicht direkt am Bürgersteig, sondern an einer Zufahrt. Klein: „Aber die, die den Weg zu uns gefunden haben, sind ganz begeistert von der Betreuung, dem Angebot, den Räumen und der Atmosphäre.“

Text u. Foto: Matthias Schatz

Das Programm der Familienbildungsstätte kann von der Website www.familienbildung-hh.de heruntergeladen werden. Dort sowie auf Facebook und Instagram finden sich auch weitere Informationen sowie Kontaktdaten.