07.09.2022

Offen für Experimente

Stephan Weiherer trat am 1. September die Stelle als Dommusikdirektor an. An diesem Samstag spielt er im Rahmen des Hamburger Orgelsommers.

Stephan Weiherer an seinem neuen Arbeitsplatz im Dom. | Foto: Andreas Hüser

Stephan Weiherer verrät nicht alles. Was erwartet das Publikum und die singende Domgemeinde mit dem neuen Dommusikdirektor? „Lassen Sie sich überraschen!“ sagt er. Und was macht er am liebsten? „Das, was ich gerade mache.“ Aber einiges lässt er doch durchblicken. Weiherer, der bisher die Musik an der katholischen Bischofskathedrale in Stuttgart geleitet hat, ist offen für Experimente. Musik des 20. und des 21. Jahrhunderts sind ihm nicht fremd. Man wird darauf nicht lange warten müssen. Bei seinem ersten Konzert an diesem Samstag, 10. September, wird ab 20 Uhr im St. Marien-Dom auch ein Orgelwerk der lebenden Komponistin Claudia Jane Scroccaro uraufgeführt. Der Titel: „High Voltage Toccata“. Musik zwischen Free Jazz und Funk. 

Bei den musikalischen Stilrichtungen ist der Musiker offen für alles – zumindest als Hörer. Jazz, Techno, Heavy Metal. „Wichtig ist: Die Musik muss mich berühren, und sie muss für mein Ohr gut sein.“ Und wenn er selbst Musik macht, will er Reaktionen spüren. „Und manchmal ist mir eine heftige Reaktion lieber als gar keine.“ Aber keine Angst! Weiherer liebt auch Kompositionen, die sich seit Jahrhunderten bewährt haben. Doch auch hier gilt: „Die besten Momente für einen Musiker sind, wenn er das Publikum überrascht – entweder durch Originalität oder durch pure Schönheit.“ 

Sein wichtigstes Arbeitsgerät, die Beckerath-Orgel im St. Marien-Dom, kennt er schon von Gastauftritten. Weiherer spielt noch andere Instrumente. Natürlich die Tasteninstrumente Klavier und Cembalo – aber auch Schlagzeug und vor allem Flöte. „Ursprünglich wollte ich mal Flötist werden.“ 

Der 1. September war sein erster Arbeitstag in Hamburg. Am vergangenen Sonntag hat sich der neue Dommusikdirektor in allen Messen vorgestellt. Jetzt beginnt die Arbeit mit Schola und Domchor. Und er verrät: Es wird etwas Neues geben. Geplant ist der Aufbau eines neuen Chores mit Kindern und Jugendlichen. Dazu gibt es eine zusätzliche Personalstelle am Dom.

Übrigens: Karten für das Konzert am Samstag, das letzte der Reihe „Hamburger Orgelsommer“, gibt es an der Abendkasse und bei „geist+reich“ am Dom.

von Andreas Hüser