02.09.2020

Offene Türen an der Elbe

Direkt an der Elbe, am südwestlichen Rand Mecklenburgs, wurde vor 20 Jahren eine neue katholische Kirche gebaut. Nicht nur wegen ihrer Lage ist die Filialkirche Maria Rosenkranz in Dömitz etwas Besonderes. 

Filialkirche Maria Rosenkranz in Dömitz

Dahinter sind nur noch Deich und Elbe, dann kommt Niedersachsen. Die Filialkirche Maria Rosenkranz in Dömitz. Foto: privat

Sie gehört zu den jüngsten Kirchen im Erzbistum. Vor 20 Jahren wurde die Maria-Rosenkranz-Kirche in Dömitz neu gebaut und geweiht. Das Kirchweihfest am Sonntag, 6. September um 15 Uhr feiert die Dömitzer Gemeinde mit Pfarrer Thomas Hoffmann fast unter sich. Eingeladen sind der Bürgermeister der Stadt, die evangelische Pastorin. Ansonsten lassen die Corona-Maßnahmen keine große Festgesellschaft zu und auch der  Mecklenburger Regionalchor wird nicht singen wie vor fünf Jahren. Die Dömitzer Katholiken wollen ihren Dank für das Geschenk des eigenen Kirchengebäudes im kleinen Kreis aussprechen. 50 Jahre lang hatten sie in einem zur Kirche umgebauten Tanzsaal eines Hotels Gottesdienst gefeiert. 

Im Frühjahr 1993 traf das damalige bischöfliche Amt Schwerin die Entscheidung für einen Neubau. Viele Gemeindemitglieder erinnern sich an zähe Verhandlungen vor allem mit der Denkmalbehörde und dem Landkreis. 1999 begann mit dem symbolischen ersten Spatenstich der Bau – zur Freude vor allem der Älteren. Ihre Empfindungen beschreibt Diakon Christophorus Baumert. „Vor allem für die noch lebendenden Vertriebenen und ihre Familien war es eine Wertschätzung für 50 Jahre Treue im Glauben nach der Verlust ihrer Heimatkirche.“ 

Die Maria-Rosenkranzkirche, Filialkirche der Pfarrei Heilige Edith Stein (Ludwigslust), ist in Dömitz nicht übersehbar. Sie steht direkt hinter dem Elbdeich, in der Nähe der historischen Festung. „Trotz der kleiner wernden Gemiende ists unsere Kirche und das Gemeindezentrum ein in der Öffentlichkeit bekannter und angenommener Ort, der viele Menschen zusammengeführt hat“, sagt Christophorus Baumert.    

Eine Brücke führt nach Niedersachsen

Dömitz hatte schon immer eine Sonderrolle. Die Stadt liegt direkt an der Elbe, am westlichen Rand Mecklenburgs. Während der DDR-Zeit war diese Gegend Sperrgebiet. Die Elbbrücke war in den letzten Kriegstagen 1945 durch Bomben zerstört worden. Erst mit dem Neubau 1992 der Elbbrücke gibt es eine Verbindung zum benachbarten Niedersachen. Mit der katholischen Gemeinde Dannenberg haben die Dömitzer seit 30 Jahren einen freundschaftlichen Austausch, die Senioren von beiden Elbseiten treffen sich jährlich zu einem gemeinsamen Seniorenabend. Offen ist die Kirche aber nicht nur für Katholiken. 2006 hat Diakon Christophorus Baumert mit dem Einsatz für Arbeitslose in der Stadt begonnen – wofür er Anfang des Jahres zum Ehrenbürger ernannt wurde. Einmal in der Woche ist das Gemeindehaus offen für eine Ausgabe der Dömitzer „Tafel“. Bedürftige können sich mit gespendeten Lebensmitteln versorgen. Aber genauso wichtig ist das Zusammenkommen mit anderen – von Woche zu Woche, aber besonders zur großen vorweihnachtlichen Feier, die in jeder Adventszeit stattfindet. 

Eine neue Kirche für eine sehr kleine Gemeinde am Rande – Heute würde man sie wahrscheinlich nicht bauen – und die Zukunft ist offen wie in vielen kleinen Kirchen im Bistum. Aber die Dömitzer sind dankbar für ihr Gotteshaus, das ihnen für 20 Jahre eine geistliche Heimat gegeben und inzwischen auch einige Hochwasser der direkt angrenzenden Elbe überstanden hat.

Text: nkz