26.01.2022

Erzbischof ist gerne zum Dialog bereit

Ohne Angst und Heimlichkeit

125 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der katholischen Kirche haben sich in der Initiative „#outinchurch“ als „nicht heterosexuell“ geoutet und fordern Reformen. Sie stoßen bei den Kirchenoberen auf offene Ohren. 

Homosexuelles Paar in der Kirche
Sie wollen nicht ausgegrenzt werden: homosexuelles Paar in der Kirche. Foto: kna

Die Initiative „#outinchurch – für eine Kirche ohne Angst“ hat überwiegend positive Reaktionen, auch unter deutschen Bischöfen, ausgelöst. Auf der Internetseite und in einer Fernsehsendung haben sich am 24. Januar 125 Mitarbeiter der katholischen Kirche namentlich zu ihrer Homosexualität, Bi- oder Transsexualität bekannt. Zu ihnen gehören Ehrenamtliche und hauptamtlich Beschäftigte der katholischen Kirche sowie Leute in der Ausbildung und Ehemalige. In einem Manifest fordert die Initiative „einen diskriminierungsfreien Zugang zu allen Berufsfeldern in der Kirche“.  „Diffamierende und nicht zeitgemäße Aussagen der kirchlichen Lehre zu Geschlechtlichkeit und Sexualität müssen auf Grundlage theologischer und humanwissenschaftlicher Erkenntnisse revidiert werden“, so das Manifest. Außerdem müsse das kirchliche Dienstrecht geändert werden. Ein offenes Leben in einer homosexuellen Partnerschaft, etwa in einer Zivilehe, dürfe nicht als Loyalitätsverstoß beurteilt werden und nicht Kündigungsgrund sein. Viele der Unterzeichner berichten von ihren Erfahrungen – häufig sahen sie sich gezwungen, ihre Partnerschaft geheim zu halten und waren Drohungen – in direkter oder angedeuteter Form  – ausgesetzt. 

Erzbischof: „Bin gern zum Dialog bereit“

Die Initivative hat in den vergangenen Tagen für Zustimmung bei katholischen Verbänden und Einrichtungen gesorgt. Und auch mehrere Bischöfe äußerten sich mit Respekt und Gesprächsbereitschaft. So auch Erzbischof Stefan Heße: „Ich habe Respekt vor den Menschen, die sich in dieser Aktion zu ihrer sexuellen Orientierung bekennen. Eine Kirche, in der man sich wegen seiner sexuellen Orientierung verstecken muss, kann nach meinem Dafürhalten nicht im Sinne Jesu sein.“ Erzbischof Heße bot einen weiteren Kontakt an: „Ich bin gerne zum Dialog bereit und biete den Unterzeichnerinnen und Unterzeichnern aus dem Erzbistum Hamburg als erstes ein Gespräch an.“

Der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer: „Wir müssen über die Segnung homosexueller Paare weiter diskutieren und sollten sie nicht tabuisieren. Der wertschätzende Umgang mit homosexuellen Menschen in der Kirche ist völlig zu Recht ein wichtiges Thema des Synodalen Wegs der katholischen Kirche in Deutschland.“

Im Namen der Deutschen Bischofskonferenz erklärte der Aachener Bischof Helmut Dieser, die Initiative sei ein Zeichen dafür, dass man daran arbeite, ein Klima der Angstfreiheit in der Kirche entstehen zu lassen. 

Text: nkz