19.08.2020

Personen des Vertrauens

Sie sind unabhängig und stehen allen Betroffenen von sexueller Gewalt zum Gespräch zur Verfügung. Statt zwei gibt es jetzt vier Ansprechpartner im Bistum. Erzbischof Stefan hat sie in der vergangenen Woche beauftragt. 

Karin Niebergall-Sippel, Eilert Dettmers, Stefanie Granzow und Michael Hansen, hier mit Erzbischof Heße sind die Ansprechpersonen im Erzbistum Hamburg für Opfer sexualisierter Gewalt
Erzbischof Stefan Heße (Mitte) mit den aktuellen Ansprechpartnern für Betroffene sexueller Gewalt. Von links: Karin Niebergall-Sippel, Eilert Dettmers, Stefanie Granzow und Michael Hansen. Der ebenfalls beauftragte Frank Brand ist nicht auf dem Foto. Foto: Christian Wode

Erzbischof Stefan Heße hat neue unabhängige Ansprechpersonen für Betroffene sexualisierter Gewalt ernannt. Sie kommen aus Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg. Damit stehen im Erzbistum Hamburg künftig vier statt bisher zwei Beauftragte zur Verfügung, wie die Erzdiözese am Donnerstag mitteilte. „Für Betroffene ist es sehr wichtig, unabhängige Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner zu haben, an die sie sich vertraulich wenden können“, sagte Heße. Das Erzbistum wolle in der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt „eine verantwortungsvolle Institution“ sein.

Neu ernannt wurden der Schweriner Rechtsanwalt Eilert Dettmers, der Hamburger Familien- und Sozialtherapeut und ehemalige Caritas-Mitarbeiter Michael Hansen sowie die Schweriner Heilpädagogin Karin Niebergall-Sippel. Der Lübecker Rechtsanwalt Frank-Eckhard Brand, der seit 2015 als Ansprechperson tätig ist, nimmt diese Aufgabe weiterhin wahr. Die Diplompsychologin Susanne Zemke, die ebenfalls seit 2015 tätig war, scheidet dagegen aus diesem Amt aus.

Studie spricht von 103 Betroffenen im Bistum 

Die Deutsche Bischofskonferenz hat jedes Bistum verpflichtet, solche unabhängigen Ansprechpersonen zu berufen. Sie sollen Betroffenen zur Seite stehen und individuell erlittenes Unrecht dokumentieren. Die Ansprechpersonen stehen in keinem Arbeits- und Abhängigkeitsverhältnis zum Erzbistum. Ihre Kontaktdaten sind auf der Internetseite der Diözese zu finden.

Eine 2018 vorgestellte Studie der Deutschen Bischofskonferenz hatte auf dem Gebiet des heutigen Erzbistums Hamburg für die Zeit zwischen 1946 und 2015 insgesamt 103 Betroffene sexualisierter Gewalt und 33 beschuldigte Priester ermittelt. Die schwersten Fälle sollen sich im Bistumsteil Mecklenburg ereignet haben. Dort läuft derzeit ein zweijähriges Forschungsprojekt zur Aufarbeitung.

Die Beauftragten sind über eine gemeinsame Telefonnummer des Büros der Ansprechpersonen erreichbar, unter der Telefonnummer 0162 / 326 04 62.

Text: kna