23.09.2020

Protest an festlicher Tafel

Schon mehrfach hat „Maria 2.0“ Aktionen am Hamburger St. Marien-Dom gestartet. Am vergangenen Samstag luden die Frauen an eine gedeckte Tafel auf den Domplatz – und forderten dabei gleiche Rechte.

Festlich gedeckt mit Blumen, Kerzen und bunten Maria 2.0-Steinen: Die Tafel am Samstag auf dem Mariendom-Platz.
Festlich gedeckt mit Blumen, Kerzen und bunten Maria 2.0-Steinen: Die Tafel am Samstag auf dem Mariendom-Platz.

Bundesweit ist diese Bewegung seit Mai 2019 aktiv. Frauen aus der katholischen Kirche fordern dabei Zugang zu allen kirchlichen Ämtern und zum Weihe­sakrament, die Aufhebung des Pflichtzölibats und eine umfassende Aufklärung über den Missbrauch durch Geistliche. 

An einem gedeckten Tisch nahmen jetzt rund 30 Frauen, aber auch ein paar Männer Platz.  Ähnliches geschah an vielen anderen Orten in Deutschland. Parallel zur Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda hatte das bundesweite Aktionsbündnis Maria 2.0 zur Aktionswoche unter dem Motto „Kommt zu Tisch“ aufgerufen. Kreuzweise aufgeklebte Pflaster auf Coronaschutzmasken: So machten die Teilnehmerinnen darauf aufmerksam, dass Frauen keine Weiheämter und damit auch keine höheren Leitungsfunktionen in der Kirche ausüben können. 

Susanne Rott, Teilnehmerin aus Hamburg-Sasel: „Ich bin von Anfang an bei der Aktion Maria 2.0 dabei. Ich finde es wichtig, dass Frauen und Männer gleichberechtigt alle Ämter in der Kirche ausüben können. Ich kenne viele versierte Frauen, die sofort ein Amt übernehmen würden. Es gibt aktuell viel zu wenig Pries­ter, dafür muss dringend eine tragbare und dauerhafte Lösung gefunden werden.“ Das Gleiche empfinden auch die anderen Teilnehmerinnen an der Maria 2.0-Tafel. Diese Veranstaltung und Maria 2.0 seien kein Protest aus Lust am Widerstand“, sagt Ute Mathar. „Wir verdanken dieser Kirche jede Menge gute Erfahrungen. Viele der Herren Amts­inhaber jedoch, fahren die katholische Kirche sehenden Auges an die Wand. Das Festhalten an einer starren und absolutistischen Hie­rarchie, das Pflichtzölibat und das ganze Machtgeprotze gehören längst abgeschafft.“

„Christus ist Mensch, nicht Mann geworden“

Rund eine Stunde saßen und aßen die Anwesenden vor dem St. Marien-Dom, bevor es in einem kleinen Protestzug durch den Stadtteil Sankt Georg ging. Die Aktion hatte schon im Vorfeld großes Interesse in den Medien ausgelöst. Im „Hamburg-Journal“ kam dabei auch Erzbischof Stefan Heße zu Wort. Ähnlich wie schon in einer Podiumsveranstaltung zum Synodalen Weg wies er auf die weltkirchliche Dimension der Frage „Weihesakrament für Frauen“ hin. „Als Katholiken sind wir eine Weltkirche. Wenn wir der mehrheitlichen Meinung sind, können wir unser Anliegen nach Rom tragen. Der Papst gibt dann vor, wie man damit umgeht und entscheidet.“ Er selbst ließ Verständnis für das Anliegen der Frauen durchblicken. „Christus ist Mensch und nicht Mann geworden, deswegen könnte nicht nur ein Mann ihn repräsentieren, sondern auch eine Frau.“

Text u. Foto: Ralf Adloff