01.06.2022

Schatzsuche in Ostholstein

Die Exkursionen sind Höhepunkte im Jahreskalender des Vereins für katholische Kirchengeschichte. Diesmal ging es im Mai nach Ostholstein.

Die Teilnehmer der Exkursion auf Gut Nehmten. | Foto: Dr. Martin Schröter

Der Verein für katholische Kirchengeschichte in Hamburg und Schleswig-Holstein unternahm kürzlich eine Besichtigungsfahrt zu Herrenhäusern in Ostholstein. Per Bus ging es für 26 Teilnehmer zunächst zum Gut Hasselburg bei Neustadt. Über vier Generationen, von 1666 bis 1816, war es im Eigentum der katholischen Adelsfamilie von Dernath.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg war der katholische Graf Gerhard von der Nath (später meist „von Dernath“ geschrieben) aus Brabant in den Norden gekommen, um im dänischen Heer als Offizier zu dienen. Er heiratete Christine von Ahlefeld aus dem Holsteiner Adel und kaufte das Gut Hasselburg. Die drei gemeinsamen Söhne ließ er bei den Jesuiten in Glückstadt erziehen. Einer der Söhne, der ebenfalls auf den Namen Gerhard hörte, stieg zum Gottorfer Kanzler und Generalleutnant auf. Die Jesuitenmissionare in Glückstadt, Lübeck und Friedrichstadt benannten die von Dernath in ihren Jahresberichten häufig als ihre Wohltäter und Förderer.

Das Herrenhaus besticht heute mit seinem vorspringenden Portal und der hohen Freitreppe und leitet in das Treppenhaus mit doppelter Treppe rechts und links und in einen Umgang im ersten Stock. Das Deckengemälde von Johann Gottfried Simola zieht den Blick in die Höhe, die Wände zieren Büsten von Göttern und Helden.

Bevor Besucher zum Herrenhaus gelangen, müssen sie das Torhaus durchschreiten, an das rechts und links repräsentative Anbauten aus Ziegelstein den Blick weiten. Architekt der Gesamtanlage, die ursprünglich im Mittelalter ein Rittersitz war, war der Hofbaumeister Johann Greggenhofer, der bei den Lübecker Bischöfen in Eutin angestellt war.

Weiter ging dann die Fahrt nach Ahrensbök. Die Marienkirche dort ist allein vom einzigen Kartäuserkloster in Schleswig-Holstein, gestiftet 1328 von dem Schauenburger Grafen Johann III., übriggeblieben. Erst 1564 wurde es von Herzog Hans dem Jüngeren aufgehoben. Die Klostergebäude wurden zwanzig Jahre später abgebrochen. Heute dient der Kirchenraum sowohl der evangelisch-lutherischen wie der katholischen Gemeinde für den Gottesdienst.

Nächste Station der Fahrt war Gut Nehmten am Südende des Plöner Sees. Durch Erbgang fiel das 1244 erstmalig erwähnte Gut an einen Fürstenberg aus der Familie der Fürstenbergs aus dem Münsterland. Ferdinand von Fürstenberg, Bischof von Münster und Paderborn, war 1682 der Stifter der Ferdinandeischen Stiftung, die die Jesuitenmissionare in Hamburg/Altona, Glückstadt, Bremen, Friedrichstadt, Lübeck und anderen Orten in Nordeuropa finanziell unterstützte. Im Keller des Herrenhauses befindet sich ein Archiv, dessen Bestände erst jetzt erschlossen werden.

Auf Gut Neuhaus bei Giekau, letzte Station der kleinen Rundreise, wurde die Reisegruppe von Hausherrin Gabriele von Hahn empfangen. 1732 ging das Gut in das Eigentum der Familie über, die ursprünglich aus Mecklenburg-Güstrow stammte. Im 17. Jahrhundert konvertierte sie zum Katholizismus. Die Jesuitenmissionare in Lübeck und Hamburg erwähnen in ihren Jahresberichten besonders drei Mitglieder, die am Hof von Güstrow hohe Stellen bekleideten, als ihre Gönner und Wohltäter. Das Herrenhaus liegt am Rand des Selenter Sees. Im mittelalterlichen, in das Gebäude integrierten Turm besteht noch heute eine Burgkapelle. In ihr feierte Pfarrer i.R. Dr. Bernd Wichert eine heilige Messe mit den Gästen und der Gutsherrin.

Vor dem Heimweg warfen die Reisenden noch einen Blick in die im Hochmittelalter entstandene Kirche von Giekau, gestiftet von Graf Adolf IV. von Schauenburg nach seinem Sieg 1227 über den Dänenkönig bei Bornhöved.

Autor: Christoph Flucke

Kontakt zum Kirchengeschichtsverein: martin_schroeter@gmx.de