21.07.2021

Sherlock Holmes auf der Spur

Hatte die von Arthur Conan Doyle geschaffene Figur des Meisterdetektivs ein christliches Weltbild? Dieser und anderen Fragen geht ein neuer Sammelband nach, über den Autor Andreas Willscher im Interview Auskunft gibt.

Andreas Willscher und das Cover des von ihm  initiierten Bandes über die Detektivfigur Sherlock Holmes
Andreas Willscher und das Cover des von ihm initiierten Bandes über die Detektivfigur Sherlock Holmes.

Zusammen mit Freunden aus katholischen Gemeinden Hamburgs hat Andreas Willscher, Komponist und Organist der Barmbeker Gemeinde St. Franziskus, einen Sammelband über den Detektiv Sherlock Holmes verfasst. Das Buch enthält Beiträge sehr verschiedener Art zu der Figur, die der Autor Arthur Conan Doyle Ende des 19. Jahrhunderts schuf. Die Spannbreite reicht von wissenschaftlichen Beiträgen bis hin zur Lyrik. So ist Will­scher zunächst gefragt worden:

Wie würden Sie diese Art Publikation bezeichnen?

Es ist ein Handbuch für alle Sherlock-Holmes-Fans und für die, die es noch werden wollen. Es enthält zum einen bibliophile Hilfen wie Register und Tabellen zu den 56 Kurzgeschichten und vier Romanen Doyles. Zum anderen enthält es eine Mischung aus wissenschaftlichen Ansätzen und aus Unterhaltung. Es ist für jeden etwas dabei: spannende Geschichten, Essays, eher literaturwissenschaftliche Abhandlungen und auch Lyrik.  Zudem soll das Buch auch ein Anstoß sein für weitere Forschungen. Und wenn es nur zwei Leute gibt, die sagen wir mal beispielsweise Sherlock Holmes Bezug zur Eisenbahn untersuchen, dann haben wir schon viel erreicht.

Sie haben ja auch schon eine Sherlock Holmes Suite für die Orgel komponiert und Limericks über den Detektiv für einen Männerchor vertont. Wie ist die Leidenschaft für die Figur entstanden? 

In der Jugend. Das ist so ähnlich wie bei vielen mit den Karl-May-Romanen respektive Old Shatterhand und Winnetou. Ja, und dann kann man nicht mehr aufhören.

Wie ist die Idee für diesen Band entstanden?

Ich habe eine große Sammlung deutschsprachiger Literatur und Sekundärliteratur. Da habe ich bemerkt, dass seit den 1970er Jahren kein Sammelband mehr zu Sherlock Holmes erschienen ist. Und da habe ich mir gedacht, dass eine nette Kombination aus Geschichten, wissenschaftlichen Arbeiten, Lyrik und Rätsel doch ganz angemessen wäre und pfiffig. 

Die Mitautoren stammen ausnahmslos aus katholischen Pfarreien in Hamburg.

Es sind Freunde, die ebenfalls Sherlock-Holmes-affin sind. Karl Heinz Ranitzsch hat sich als promovierter Physiker natürlich mit Sherlock Holmes und der Physik beschäftigt. Mein Librettist Klaus Lutterbüse hat die schönsten Fälle in Gedichtform beigetragen. Irene Ittekott hat etwas über Sherlock Holmes und Indien geschrieben, da sie mit einem Inder verheiratet ist. Der Verleger Reinhard Marheinecke, der wie die drei eben genannten der Pfarrei Seliger Johannes Prassek angehört, und Michael Herbert Scheben zählten zum Kabarett „Die Kneifer“ und wirkten an dem dafür entstandenen Text „Sherlock Holmes im Wasserwerk“ mit. Sebastian Fiebig aus der Pfarrei Katharina von Siena äußert sich zu der Adresse von Sherlock Holmes in der Baker Street. Was soll ich irgendwelche fremden Leute fragen, wenn ich einen großen Stab an Könnern eh an der Hand habe?

Da durfte natürlich auch ein Beitrag über Sherlock Holmes und die Geistlichkeit nicht fehlen, den Sie selbst verfasst haben.

Darauf ist eigentlich noch nie jemand so wirklich eingegangen. Erstmals sind dort alle Passagen aufgelistet, in denen Kirche eine Rolle spielt. Die Aussagen, die Holmes über das Weltbild trifft, sind ganz eindeutig christlicher Natur. Er war wohl zumindest während seiner Studienzeit regelmäßiger Kirchgänger. Dann wird auch deutlich, dass er an einen Schöpfer glaubt und dass nicht alles Zufall ist. Das kann er sich nicht vorstellen. Er glaubt schon an einen göttlichen Plan. Vieles bleibt aber natürlich offen. 

Werden Sie sich literarisch oder musikalisch noch weiter mit Sherlock Holmes auseinandersetzen?

Ich kann mir gut vorstellen, Gedichte zu Holmes zu vertonen.

Interview: Matthias Schatz

Unsterblicher Sherlock Holmes – Essays, Pastiches, Lyrik und mehr, 368 Seiten, Verlag Reinhard Marheinecke, 20 Euro