26.08.2020

Spezielle Hilfe für Schwangere

Der Sozialdienst katholischer Frauen und das „Kieler Fenster“ beraten Frauen mit psychischen Erkrankungen vor und während einer Schwangerschaft. Die sogenannte Traumkind-Gruppe hilft mit individueller Unterstützung.

Hebamme Margrit Bartelt (links) und Diplom-Sozialpädagogin Julia Kirschning

Hebamme Margrit Bartelt (links) und Diplom-Sozialpädagogin Julia Kirschning leiten die Traumkind-Gruppe. Foto: Jenifer Ruske

Endlich schwanger! Das Glück ist groß, die Unsicherheit auch: Schaffe ich es, den Alltag mit Kind zu bewältigen? Diese Fragen bewegen Frauen mit psychischen Erkrankungen in der Regel noch stärker. Ihnen hilft die Gruppe Traumkind, die der Sozialdienst katholischer Frauen Kiel (SkF) und das sogenannte Kieler Fens­ter anbieten. Das Kieler Fenster ist ein Verein zur Förderung sozialpädagogischer Initiativen. SkF-Hebamme Margrit Bartelt und Julia Kirschning, Diplom-Sozialpädagogin vom Kieler Fenster, unterstützen betroffene Frauen mit Kinderwunsch und während der Schwangerschaft. 

Seit sechs Jahren gibt es das Hilfsangebot

„Wir richten uns an Frauen aus Kiel, die psychische Probleme haben. Dabei ist es egal, ob eine Erkrankung ärztlich diagnostiziert wurde oder nicht“, sagt Julia Kirschning. Alle zwei Wochen trifft sich die Gruppe im Ambulanten Zentrum des Kieler Fens­ters in der Alten Lübecker Chaussee 1. „Während der Corona-Krise fanden nur Einzelbetreuungen und telefonische Beratungen statt, ab Juni konnte die Gruppe mit entsprechenden Hygieneauflagen wieder starten“, sagt die Diplom-Sozialpädagogin. 

„Wir haben die Traumkind-Gruppe vor sechs Jahren ins Leben gerufen, weil deutlich wurde, dass wir psychisch belas­tete Frauen mit normalen Geburtsvorbereitungskursen nicht erreichen“, so Kirschning. Die Hemmschwelle, sich dort anzumelden, sei oft sehr hoch. Die Betroffenen haben in der Regel andere Fragen. Da geht es um Medikamente, die die Frauen vielleicht nehmen müssen, um die Mehrbelastung im Alltag durch das Baby, um Ängste wie etwa die Frage was zu tun ist, wenn die Betreffende einen depressiven Schub erleidet und anderes mehr. „Das sind alles Fragen, die man nicht in den normalen Gruppen stellen mag“, weiß Mutter und Traumkind-Teilnehmerin Jessica Harms aus eigenem Erleben. „Die Gruppe hat mir sehr geholfen.“

„Mein Kind ist das Beste, was mir passiert ist“, sagt sie. Dabei war das Töchterchen eigentlich nicht geplant. „Der Kinderwunsch war zwar da“, sagt die heute 39-Jährige. Aber es ging ihr damals nicht so gut. Mit der Familienplanung hatte sie daher abgeschlossen. Als sie dennoch schwanger wurde, hielten sich Freude und Sorge die Waage. „Schaffe ich das alles mit Kind?“ war die große Frage. Dank der Gruppe überwiegt jetzt die Freude. 

Geholfen haben ihr die Informationen der Fachfrauen: „Wir sprechen über alles, was Schwangerschaft, Geburt und Leben mit Kind betrifft“, sagt Margrit Bartelt. Zudem gehen die beiden individuell auf Fragen und Wünsche ein. Für Jessica Harms war auch der Austausch mit anderen Frauen wichtig: „Bei den Treffen konnte ich leichter über meine Probleme sprechen. Es geht allen anderen ja genauso wie mir. Hier bekommt keine einen Stempel aufgedrückt, sondern individuelle Unterstützung. Und das hilft sehr.“ 

Die Gruppe Traumkind trifft sich alle 14 Tage freitags von 10.30 bis 12 Uhr im Ambulanten Zentrum des Kieler Fensters, Alte Lübecker Chaussee 1 in Kiel. Die Teilnahme ist kostenlos, ein Einstieg in die fortlaufenden Treffen nach Anmeldung ist jederzeit möglich. Infos und Kontakt per E-Mail an ambulantes-zentrum@kieler-fenster.de oder unter Tel. 0431 / 649 80 50.

Text und Foto: Jennifer Ruske