28.08.2019

Und wenn ich Franziskanerin werde?

Werbung für das Ordensleben? Interessiert das jemanden? Kommt da jemand? Die Mauritzer Franziskanerinnen aus Kiel haben sich mit solchen Fragen nicht lange aufgehalten. Sie haben es einfach gewagt. Drei zweitägige Treffen, in denen Frauen sich fragen können: Geht das, was ich mit meinem Leben anfangen will, am besten, wenn ich Franziskanerin bin? Vor dem dritten Nachmittag am 5. September zieht Schwester Maria Magdalena Jardin eine positive Bilanz: Es gibt Interesse. 

Die Franziskanerinnen Schwester Juliane, Schwester Maria Magdalena, Schwester Sunita und Schwester Klara anlässlich der Kräutersegnung im Haus Damiano in Kiel

Ich, du, wir. Das Leben als Franziskanerin lässt Raum für Individualität und ist doch ein Leben in Gemeinschaft. Schwester Juliane, Schwester Maria Magdalena, Schwester Sunita und Schwester Klara. Das Foto entstand bei der Kräutersegnung zu Mariä Himmelfahrt. Foto: N. Lipski

Nicht nur ein Schnupperabend, sondern gleich drei Begegnungstage für Frauen, die sich für Ihren Orden interessieren. Ist das Interesse so groß, dass sich eine solche Reihe lohnt?

Es gibt tatsächlich interessierte Frauen, das erleben wir zur Zeit in Kiel. Die drei Tage, die wir angeboten haben, haben unterschiedliche Schwerpunkte. Weil das Ordensleben ganz viele Facetten hat. Viele dieser Facetten sind gar nicht bekannt. Da stößt man eher auf Vorurteile oder hat alte Bilder im Kopf, die mit der Gegenwart wenig zu tun haben.  

Zum Beispiel? 

Zum Beispiel ist nicht allgemein bekannt, wie selbstbestimmt wir als Ordensfrauen leben; mit welcher Freiheit wir ausgestattet sind. Natürlich war das nicht immer so. Das Ordensleben hat ja eine lange Geschichte. Aber unser Auftrag ist, das Grundanliegen ins Heute zu übersetzen. 

Wie groß war der Zuspruch bei den ersten beiden Nachmittagen? 

Es waren sechs Frauen dabei. Das ganze ist keine Vortragsveranstaltung. Man kann schon am Vorabend anreisen, es ergeben sich Gespräche, wir gehen Schritte miteinander. 

Beim dritten Teil geht es jetzt um das „Ich“ Verhältnis mit anderen. 

Es geht um den Spannungsbogen, in dem jeder Mensch steht. Gehe ich ganz im „Ich“ auf? Stelle ich meine Individualität zurück und sehe ich mich als Teil einer Gemeinschaft? Und wie geht das in einer Ordensgemeinschaft? Auch da haben die Orden eine wechselhafte Geschichte. Es gab eine Zeit, da durften die Schwestern gar nicht „Ich“ sagen. Später, zur Zeit meines Noviziats, war das umgekehrt. Das „Ich“ stand ganz im Vordergrund. 

Beides ist nicht richtig. Wir müssen zu einer Ausgewogenheit zwischen dem Wir und dem Ich finden. 

Interessierte junge Menschen finden eine überreiche Auswahl von Ordensgemeinschaften mit verschiedenen Profilen. Warum sollte ich mich für eine franziskanische Gemeinschaft interessieren? 

Uns macht attraktiv, dass der heilige Franz von Assisi schon zu seiner Zeit eine geschwisterliche Kirche im Blick hatte. Das macht ihn heute so spannend. Das franziskanische Profil gibt Raum für viele Typen von Persönlichkeiten. Ich habe in unserer Gemeinschaft sehr ­geerdete Frauen erlebt, und sehr geistvolle Frauen. Beides finde ich wichtig. Sehr geerdet sein und sich geistvoll austoben dürfen. Gott im Herzen und im Rücken, die Menschen im Blick, wie ich es in unserer Liebfrauenkirche in Kiel erlebe. Sehr nah an den Menschen zu leben, das heißt für mich Franziskanerin zu sein. 

Franz von Assisi wird heute oft als Vorreiter der ökologischen Bewegung dargestellt. Kann man ihn so sehen? 

Franz von Assisi war nicht nur ein betender Mensch, und ein Mensch mit Durchblick. Er hat auch verstanden: Nicht nur bei den Menschen untereinander, auch im Verhältnis zur restlichen Schöpfung geht es nur geschwisterlich. Er hat aus der Umwelt eine Mitwelt und eine Beziehungswelt gemacht. Dieser Gedanke ist natürlich aktueller denn je. 

Man hört, dass heute die kontemplativen Orden, die eher die Abgeschiedenheit suchen, mehr Zuspruch haben als die sozial tätigen und im Alltagsleben wirkenden Gemeinschaften. Sehen Sie das auch so? 

Ich sehe das nicht als Konkurrenz. Die Trennung war auch schon mal stärker. Heute haben sich die kontemplativen und aktiven Orden sehr angenähert. Es ist eher eine Frage von Schwerpunkten. Auch die kontemplativen Orden haben ihren Dienst in der Welt und ihr Handwerk. Und auch wir Franziskaner legen Wert auf die Balance zwischen Gebet und Tätigkeit. 

Wie finden Sie diese Balance? 

Eine Franziskanerin kann erst einmal viele Gebetsformen ausprobieren und viele Tätigkeitsfelder der sozialen Arbeit. Dann kann sie sich fragen: Wie sieht meine Balance aus. Die eine lebt stark aus dem Gebet und geht von daher in den Dienst. Die andere lebt vielleicht in einem sozialen Brennpunkt und geht von daher in das Gebet hinein. Dass es beide Seiten gibt, Gebet und Tätigkeit, ist der Unterschied zwischen Ordensleben und Sozialarbeit. 

Sie sind seit 27 Jahren Franziskanerin. War der Eintritt damals ein schwerer oder ein leichter Entschluss? 

Es war ein leichter Schritt für mich. Weil ich es unbedingt wollte. Da war eine Kraft da, die auch jemand spürt, der verliebt ist. Ich wollte mich unbedingt einbringen, ich war auch sehr neugierig. Wenn man total überzeugt ist von etwas Neuem, dann ist alles leicht.  Es kann schwieriger werden, wenn sich die Gewöhnung eingestellt hat. Wenn das Anfangsfeuer nicht mehr da ist, dann muss man sich bewähren. Dann braucht man Durchhaltevermögen, Freunde im Orden, Gott als Begleiter. Diese Phase ist aber wichtig. Wir üben dann die Instrumente ein, mit denen wir auch schwierige Situationen meistern können. 

Interview mit Sr. Maria Magdalena Jardin: Andreas Hüser

Termin: Ich, du, wir

„Nimm’s unter die Lupe – Franziskanisches Leben – was ist denn das?“, heißt der Titel von drei Begegnungen im Gästekloster Haus Damiano in Kiel (Krusenrotter Weg 41). Zur letzten Veranstaltung von Freitag, 5. September bis Samstag, 6. September laden die Mauritzer Franziskanerinnen in Kiel alle interessierten Frauen ein. Beginn ist am Freitag, 18 Uhr, Ende am Samstag gegen 16 Uhr. Anmeldungen per E-Mail: sr.hiltrud@franziskanerinnen-muenster.de oder per Tel. 0251 / 933 76 42; Direktinformation im Haus Damiano unter Tel. 0431 / 364 32 42.