24.07.2019

Unterwegs auf Helgoland

Für Stefan Heße war es am vergangenen Wochenende sein erster Besuch als Erzbischof auf der Insel Helgoland, auf der nur rund 180 Katholiken gemeldet sind. 

Zum Auftakt seiner Sommerferien hat Stefan Heße ein langes Wochenende auf Helgoland verbracht.
Rundgang über die Insel: Erzbischof Stefan Heße im Gespräch mit Günter Barten (li.) und Gudrun Zandt. Foto: Marco Heinen

Am vergangenen Wochenende hat Erzbischof Stefan Heße zum zweiten Mal Helgoland besucht. Das erste Mal ist allerdings schon einige Jahre her und der Erzbischof war damals noch ein Bub. „Da kommen so ein paar Kindheitserlebnisse hoch“, erinnert er sich nach einem Rundgang über die Insel. Es ist Freitag der vergangenen Woche. In der Nacht noch hat es in Strömen geregnet, doch seit den Morgenstunden scheint die Sonne über Hauptinsel und Düne. Der Erzbischof ist mit dem Katamaran von Hamburg aus gekommen. 

Um 12.45 Uhr die pünktliche Ankunft auf Helgoland. Eigentlich ist der Besuch schon Teil seines Urlaubs. Aber in seinem Bistum ist ein Bischof ja eigentlich nie ganz privat unterwegs und selbstverständlich wird er am Sonntag auch einen Gottesdienst in der katholischen Kirche St. Michael feiern. Gudrun Zandt mit der achtjährigen Tochter Magdalena und Günter Barten aus der Gemeinde sowie der evangelische Pastor i.R. Albrecht Simon (nebst Reporter der Kirchenzeitung) erwarten den Besucher am Kai, um mit ihm zur Kirche im Oberland zu gehen. Das heißt, Pastor Simon, der einmal monatlich eine Taizé-Andacht in St. Michael anbietet, geht nur ein paar Meter mit, weil er noch etwas anderes vorhat.

Unterwegs erfährt Heße schon die ersten Fakten: Etwa 1 300 Einwohner aus 43 Nationen leben auf der Insel. Katholiken gibt es 180, doch wie in anderen Gemeinden lässt sich lediglich ein kleiner Teil von ihnen regelmäßig in der Kirche blicken. Gudrun Zandt und Günter Barten gehören dazu. Zandt ist gebürtige Starnbergerin, lebt aber schon lange auf der Insel. „Ich wollte mal eine Saison lang auf Helgoland arbeiten und mir die Insel angucken. Und aus dem einen Jahr sind dann 25 geworden“, erzählt sie später. Als Insulanerin gilt die Arzthelferin deshalb übrigens noch lange nicht. 

Mit Günter Barten ist es ganz ähnlich. Er kam ebenfalls vor 25 Jahren, weil er als Allergiker auf der Insel weitgehend Ruhe vor Blütenpollen hat. Aus Barten würde allerdings auch beim bes­ten Willen kein Insulaner werden, weil nämlich aus jedem seiner Sätze unverkennbar die Kölner Herkunft herauszuhören ist. Immerhin, „hier haben sie mehr Fernsehprogramme als in Köln“, sagt er lachend, als es den Berg hinauf Richtung Funkturm geht.

Wenig später in St. Michael legt der Erzbischof seine Tasche ab und wirft rasch einen Blick in die Kirche, die von der Dachkonstruktion her an die Fischerbuden am Hafen erinnert. Im Kirchraum selbst gibt es ebenfalls kölsche Anklänge. „Der Ambo ist von Egino Weinert“, sagt Heße sofort. Weinert, gebürtiger Berliner, hatte viele Jahre in Köln gearbeitet. Überdies sei seine Formensprache unverkennbar, so der Erzbischof.

Kurz darauf Aufbruch zu einem kleinen Inselrundgang. Auf dem Rundweg sind viele Touristen in Richtung des Vogelfelsens „Lange Anna“ unterwegs. Hunderte Bass­tölpel-Paare brüten gerade auf der Insel. Auch Dreizehenmöwen und Trottellummen sind hier regelmäßige Brutgäste. Ganz zu schweigen von den zahlreichen Kegelrobben und Seehunden, die mit ihrem Nachwuchs am Strand der Düne in der Sonne liegen.

Gesamtpaket aus Insel, Düne, Wind und Wasser

2 500 Touristen kommen täglich in der Hochsaison auf die Insel, jedenfalls wenn das Wetter gut ist. Viele Besucher bedeuten auch viel Arbeit im Hotel- und Gaststättengewerbe. Als Saisonkräfte kommen vor allem Polen und Kroaten. Viele von ihnen sind katholisch, weshalb sich die Zahl der Gottesdienstteilnehmer im Sommer erhöht. Viele Menschen kommen aber auch außerhalb der beiden Gottesdienste, der Werktagsmesse am Mittwoch und dem Hochamt am Sonntag. „Man sieht es an den Opferstockkerzen“, sagt Gudrun Zandt. Seit dem Tod von Pater Meinrad Watermeyer SVD im Herbst 2017 gibt es keinen eigenen Priester mehr auf der Insel. Dafür aber verlässlich wiederkommende Gastpriester wie Gerhard Stenzaly aus Twist im Emsland oder Pfarrer i.R. Albert Sprock und andere. Und im Winter besucht man auch schon mal den evangelischen Gottesdienst. Gastpriester wie Urlauber, sie kämen immer wieder. Warum? „Ich glaube, es ist das Gesamtpaket. Die Düne und die Insel, Wind, Wasser. Ja, es ist das Gesamtpaket“, ist sich Gudrun Zandt sicher.

Es gibt nur einen einzigen Messdiener

Ihr Sohn Lucas ist übrigens der einzige Messdiener in der Gemeinde. Der 14-Jährige soll in zwei Jahren, wenn das 50-jährige Bestehen der Kirche gefeiert wird, gefirmt werden – ebenfalls als Einziger. Danach wird er wahrscheinlich die Insel erst einmal verlassen, wie die anderen Jugendlichen auch. Denn Schulunterricht gibt es nur bis zur zehnten Klasse. Für die weiterführende Schule oder eine Lehre gehen die meisten auf das Festland hinüber.

Der Spaziergang neigt sich seinem Ende zu. Am mit 61,3 Metern höchsten Punkt des Kreises Pinneberg (denn dazu gehört Helgoland) hat der Tross Station gemacht und auch den zehn Rindern und 40 Schafen, die auf der Insel leben, ist man begegnet. Fast zurück an der Kirche, fährt gerade eine Fahrradfahrerin vorbei. Sie erkennt am Kollarkragen des Erzbischofs den Priester und ruft etwas Nettes auf Englisch. Der Erzbischof reagiert ebenso auf Englisch und ein kurzes Gespräch entsteht. Die Frau ist Norwegerin und sehr in Eile. „God bless you“, ruft sie zum Abschied und radelt davon. Auch der Reporter der Kirchenzeitung ist kurz darauf fort. Endlich können die Ferien auch für den Erzbischof beginnen.

Text u. Foto: Marco Heinen