13.05.2020

Von Glauben und Schicksal

Nach zwei Kinderbüchern wartet die Autorin Lucy Astner mit einem für Erwachsene gedachten Roman auf. Im Gespräch erzählt sie auch von ihrer Prägung durch christliche Werte, der Erziehung im Stadtteil St. Georg. 

Lucy Astner mit ihrem neuen Roman
Lucy Astner mit ihrem neuen Roman. Foto: Katja Schmid

Die Hamburger Autorin Lucy Astner ist vielen jungen Lesern bereits bekannt. Mit den Reihen „Polly Schlottermotz“ und „Schwesterherzen“ hat Astner es in viele Kinderzimmer geschafft und auch als Drehbuchautorin ist sie erfolgreich, hat unter anderem für Til Schweiger geschrieben. Nun hat Lucy Astner (37) ihren ersten Roman für Erwachsene veröffentlicht: „Gott hat auch mal ’nen schlechten Tag“, eine Geschichte über Jacob Chrissen, einen erfolgreichen Fernsehmoderator, der bei einem Unfall seine Familie verliert, und Lupi, ein achtjähriges Mädchen in schwierigen sozialen Verhältnissen, die ihre ganze Hoffnung in Jacob Chrissen setzt. Lupi ist überzeugt, dass Jacob Gott sein muss und ihr vor dem drohenden Schicksal helfen kann – dem Jugendamt. Katja Schmid traf Lucy Ast­­ner in Eimsbüttel, wo die Autorin wohnt. 

„Ein Buch von Hoffnung und zweiten Chancen“

„Gott hat auch mal ’nen schlechten Tag“ beginnt mit einer Tragödie: Ein Mann verliert bei einem Helikopterabsturz seine Familie und entdeckt eigentlich erst dann, was sie ihm bedeutet hat. Wieso dieses Thema?

Wenn ich anfange zu schreiben, brauche ich immer eine Frage, die mich bewegt oder berührt, im besten Fall beides. Es war die Frage: Was bleibt dir vom Leben, wenn dir nichts mehr bleibt? Und dann kamen die Figuren zu mir, eines Tages standen Lupi und Jacob mit ihrer Geschichte auf meiner Fußmatte. Jacob, dem das passiert, wovor ich im Leben am allermeisten Angst habe, nämlich, dass ich übrig bleibe und alle anderen sterben, meine Kinder und mein Mann. Die Antwort auf die Frage „Könnte ich dann überhaupt noch weiterleben?“ war das Schreiben des Buches, ein Buch von Hoffnung und zweiten Chancen.

Das Mädchen, das in Ihrer Geschichte auftaucht, die achtjährige Lupi, hält Jacob Chrissen für Gott und setzt alle Hoffnung in ihn. Denken Sie, die Menschen sollten grundsätzlich mehr Vertrauen ineinander setzen?

Ich glaube und hoffe das. Lupi hat ja wirklich diesen starken, besonderen Glauben. Sie ist felsenfest überzeugt, dass es einen Gott gibt. Als sie Jacobs Schicksal erfährt, ist sie sicher, dieser Mensch kann zumindest kein ganz normaler Mensch sein. Jacob hat schließlich einen Helikopterabsturz überlebt. Das könne man eigentlich nicht überleben, findet Lupi, und so hat Jacob für sie ein Wunder erschaffen. Lupi heftet all ihren Glauben an Gott, an diesen Kerl – Jacob. Jacob will ihr natürlich klarmachen, dass das nicht stimmt, dass er nicht Gott sein kann, aber er wird von Lupis Vertrauen sehr berührt. 

Wie ist Ihre Beziehung zu Glaube und Kirche?

Ich bin in St. Georg aufgewachsen und wurde getauft, damit ich zur katholischen Grundschule gehen kann. Mein Weg war also eher ungewöhnlich, ich wurde im Schnellverfahren getauft. Aber ab der Einschulung bin ich mit der Kirche, Gott und den christlichen Werten aufgewachsen. Das Prinzip des Christentums ist für mich Hoffnung, Nächstenliebe und so zu handeln, wie man selbst behandelt werden möchte. Ich hab erstaunlicherweise schon immer eine ganz enge Beziehung zu Kirchenräumen gehabt. Dort empfand ich immer Kraft und Ruhe. Nach dem Tod meines Vaters fühlte ich das plötzlich nicht mehr. Das tat so weh. Und nun bin ich im permanenten Zwiegespräch. Ich kann nicht aufhören zu glauben. 

„Gottes Hand fährt auch immer in unsere Hände“

Wie stellen Sie sich selbst Gott vor?

Ich hab’ beim Schreiben des Buches niemals einen Gedanken daran verschwendet, dass es ein Buch über Gott sein könnte, obwohl er im Titel vorkommt. Erst danach dachte ich mir: „Wahnsinn, wie viel von meiner eigenen Sehnsucht da drinsteckt und wie viel Bestätigung auch, dass ich natürlich glaube.“ Ich habe im Moment das Gefühl, gerade in diesen schwierigen Zeiten, dass Gott für mich eine große Hand ist, in die ich mich hineinlegen und auch mal ein Stück tragen lassen darf. Man kann sie ergreifen oder nicht. Ich glaube, dass wir viel davon selbst entscheiden können. Und Gottes Hand fährt auch immer in unsere Hände, wir können alle Hände Gottes sein. 

Interview: Katja Schmid

„Gott hat auch mal ’nen schlechten Tag“ von Lucy Astner ist im Goldmann Verlag erschienen, hat 494 Seiten und kostet 10 Euro. 

Wir verlosen zwei von Lucy Astner handsignierte und mit persönlicher Widmung versehene Exemplare. Einsendungen mit dem Stichwort „schlechter Tag“ per E-Mail an redaktion@neue-kirchenzeitung.de oder per Postkarte an die Neue Kirchenzeitung, Am Mariendom 5, 20099 Hamburg.