08.05.2018

An einem Tisch: Die Spitzen des Erzbistums Hamburg und der Schulgenossenschaftsinitiative

Von Rückzug redet keiner mehr

Gibt es eine Rettung für die gefährdeten katholischen Schulen in Hamburg? Lange haben das Bistum und die Schulgenossenschaft miteinander gerungen. Jetzt ist klar: Die Kooperation kommt. Sie soll Schulen retten, aber auch zum Vorbild kirchlicher Mitbestimmung werden. 

Die Spitzen des Erzbistums Hamburg und der Schulgenossenschaft am Verhandlungstisch
Gleichberechtigt an einem Tisch: Die Spitzen des Erzbistums Hamburg und der Schulgenossenschaftsinitiative.  Foto: Ralf Adloff

Am Ende sprachen beide Seiten vom „Durchbruch.“ „Wir sind der Meinung, dass wir einen guten Schritt nach vorn gekommen sind und eine Idee entwickelt haben, wie wir mit den katholischen Schulen in Hamburg weitergehen können“, sagte der sichtlich entspannte
Generalvikar Ansgar Thim nach dem „Durchbruch“. Ebenso äußerte sich Prof. Christian Bernzen von der Schulgenossenschaft. „Es ist noch ganz viel offen, aber das Wichtigste nicht. Wir haben uns verabredet, in einem kooperativen System gemeinsam Verantwortung zu tragen. Das heißt. Es gibt keine Entscheidung ohne den Partner.“

Acht Stunden lang hatten sich Vertreter der Schulgenossenschaftsinitiative und des Erzbistums am Samstag in einem „Workshop“ zusammengerauft und Eckpunkte für eine Kooperation beraten. Das gelang auch mit Hilfe des Sekretärs der Deutschen Bischofskonferenz Hans Langendörfer, der als „Zeuge“ das Vertrauen aller Anwesenden genoss. 

Das konkrete Ergebnis: Die Kooperation kommt. Sie soll zuerst in einem Modellprojekt an einer oder mehreren Schulen ausprobiert werden. Welche Schulen das sind, steht noch nicht fest. Einstweilen soll es keine Entscheidungen über Schulschließungen geben. An den gefährdeten Schulen werden aber weiterhin keine Erstklässler aufgenommen. 

Die Modellprojekte sollen drei bis fünf Jahre laufen, anschließend soll eine Auswertung über das weitere Vorgehen entscheiden. „Wir wollen ein Modell aufstellen, das andere übernehmen und es kopieren, deshalb dürfen uns da keine Fehler unterlaufen“, sagte Erzbischof Stefan Heße nach dem Ende des „Workshops“. Das Modell, das hier entstehen soll, könnte nach Einschätzung des Erzbischofs sogar auch in anderen kirchlichen Tätigkeitsfeldern funktionieren. 

Kooperationsmodell soll sich an Testschulen bewähren

Neu daran ist nicht nur das Grundmodell einer Kooperation zwischen Kirche und einem externen Partner, in diesem Fall einer privaten Genossenschaft von Interessierten. Neu sollen auch demokratische Elemente innerhalb des Systems, in diesem Fall der Schule, sein. Eine Form von Mitbestimmung, die es an anderen Schulen nicht gibt. Christian Bernzen: „Dass Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer, Eltern gleichberechtigt mit einer Stimme zusammen sind. Das ist wirklich das Modell einer demokratischen Schule. Auch ein Modell mit Risiko. Denn darin liegt für alle Beteiligten eine riesige Verantwortung.“

Fast euphorisch klingen auf beiden Seiten die Erwartungen an das Kooperations-Modell. Dabei war der Erfolg keineswegs sicher. Es gab Irritationen, Muskelspiele, Verärgerungen. Und noch am Freitagabend hatte die Initiative offen gelassen, ob sie das Gespräch nicht platzen lässt. Es kam ganz anders. (Näheres dazu auf Seite 11 der Ausgabe 19 der Neuen KirchenZeitung Hamburg)

Text: Andreas Hüser