15.04.2021

Kirchen veranstalten "Woche für das Leben"

Was Palliativmedizin leistet

Heftig wird seit Monaten über Suizidbeihilfe diskutiert. Die großen Kirchen zeigen Alternativen auf. In der Woche für das Leben beleuchten sie die Frage, wie das Leid schwerkranker Menschen durch palliative Begleitung gelindert werden kann.

Ein Pfleger hält die Hand eines Patienten. 

Von Andreas Lesch

Wie ist das: schwerkranke und sterbende Menschen zu betreuen? Was plagt sie? Was hilft ihnen? Wie können sie Freude erleben in all ihrem Leid? Solche Fragen, die den Tod berühren, werden in unserer Gesellschaft selten gestellt; sie werden lieber verdrängt. Auf der Palliativstation des Franziskus-Hospitals Harderberg in Osnabrück dagegen sind sie Alltag. Dort steht ein speziell geschultes Team aus verschiedensten Fachrichtungen den Kranken bei. 

Genau um die Arbeit solcher Palliativfachkräfte geht es in der ökumenischen Woche für das Leben 2021, die an diesem Wochenende beginnt. Sie steht unter dem Motto „Leben im Sterben“. Georg Bätzing, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, und Heinrich Bedford-Strohm, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), betonen, jeder Mensch habe „seine unantastbare Würde, die uns verpflichtet, für den Schutz jedes menschlichen Lebens einzutreten“. Dazu gehört es, Kranken und ihren Angehörigen beizustehen – besonders in den dunkelsten Momenten. 

Angesichts der Debatte um Suizidbeihilfe, die seit Monaten Politik und Öffentlichkeit umtreibt, passt das Thema der Woche für das Leben perfekt. Weil es für lebensbejahende Alternativen wirbt. Diese Woche für das Leben erinnert uns daran, wie wichtig es ist, sich mit Tod und Sterben auseinanderzusetzen – und sich zu informieren, welche Möglichkeiten es für die Behandlung Schwerkranker mittlerweile gibt.

Die Berichte des Palliativteams aus dem Franziskus-Hospital Harderberg zeigen, wie wertvoll palliative und seelsorgliche Begleitung ist – und was sie bewirken kann. Auch die besten Ärztinnen und Pfleger können nicht jeden Schmerz und jedes Problem ihrer Patienten aus der Welt schaffen, aber sie können ihnen ein würdiges Leben ermöglichen. Sie tun, was sie können – und sie können viel. Sie helfen durch Medikamente und Massagen, Gespräche und Musik. Und oft allein durch Zeit und Nähe. Sie sind da, hören zu, zeigen Interesse. Sie weichen existenziellen Fragen nicht aus, drücken Sorgen nicht weg, sondern sehen hin. Sie teilen Leid. Reden gemeinsam und schweigen gemeinsam. Das kostet Kraft, aber es hilft nicht nur den Patienten, sondern verleiht auch ihrem eigenen Leben Sinn.

Plötzlich schärft sich der Blick, was wichtig ist im Leben

In den Tagen und Wochen vor dem Tod ist das Leben so intensiv wie sonst wohl kurz nach der Geburt. Das Palliativteam erlebt oft, wie klar die Menschen plötzlich Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden – und wie sich ihr Blick dafür schärft, was wichtig ist im Leben. Sie wollen ewig schwelende Konflikte beenden, sich Herzenswünsche erfüllen, Abschied nehmen von ihren Liebsten. Die Nähe zum Tod macht deutlich, wie wertvoll das Leben ist – und wie sehr wir jeden Tag dieses Lebens nutzen sollten. Reden wir darüber!

Weitere Informationen finden Sie unter: www.woche-fuer-das-leben.de