28.10.2020

Was wird aus dem Friedhof?

Der katholische Friedhof in Schwerin war einmal ein Geschenk des Herzogs. Beerdigungen gibt es dort schon lange nicht mehr. Die Grabanlage kostet viel Geld und steht wegen seiner Kriegsgräber unter besonderem Schutz.

Ehrenamtliche Mitarbeiter des Schweriner Friedhofs überprüfen die Standfestigkeit von Grabsteinen
Ist dieser Stein noch sicher? Christoph Schlegel und seine Leute prüfen das regelmäßig. Foto: Rainer Cordes

Für viele Schweriner ist es ein Ort, der gut tut. Der katholische Friedhof an der Wismarschen Straße. Nach dem Vorbild eines Landschaftsgartens wurde dieser kleine Friedhof 1860 gebaut und 1861 eingeweiht. Das Grundstück war ein Geschenk des Großherzogs Friedrich Franz II. an die Propstei St. Anna. Bis 1994 wurden dort Katholiken zur letzten Ruhe getragen. Nicht nur Schweriner: 1871 beerdigte man hier französische Kriegsgefangene und setzte ihnen ein Denkmal. 1945 wurde ein polnischer Hauptmann am Friedhofseingang begraben. Bei der Frage nach der Zukunft des Friedhofs spielt das eine wichtige Rolle. 

Was tun mit einem Friedhof, der seit 25 Jahren „außer Dienst“ ist, der aber die Pfarrei St. Anna viel Geld kostet? Nämlich 3 500 Euro jährlich für Straßenreinigung, Winterdienst, Strom und Wasser. Einnahmen gibt es nicht. Dringende Reparaturen an der Trauerkapelle, der Friedhofsmauer und der Toreinfahrt werden noch einmal 15 000 Euro kosten. Um die Sicherheit auf dem Rundweg herzustellen, hat die katholische Gemeinde noch in diesem Jahr Bäume fällen lassen. Kosten: 8 000 Euro. 

Das Erbe christlicher Friedhöfe trifft nicht nur die katholische Gemeinde. Die evangelischen Gemeinden nennen allein in Mecklenburg 620 Kirchenfriedhöfe ihr Eigentum. Im Erzbistum Hamburg gibt es nur sieben kirchen­eigene Begräbnisstätten. 

Ein Kolumbarium in der Trauerhalle?

In der Propstei hat sich ein Arbeitskreis gebildet, der nach Pers­pektiven für den Friedhof sucht. Ihn wieder für Bestattungen in Betrieb zu nehmen wäre möglich. Die Öffnung liegt im Ermessen der Pfarrei im Einvernehmen mit dem Erzbistum. Aber dazu müssten wenigstens 20 Bestattungen jährlich stattfinden oder 300 „betreute Grabstätten“ als Minimalbestand existent sein, so erste Schätzungen des Arbeitskreises. Es gibt jedoch im Jahr nur 30 katholische Bestattungen in der Stadt Schwerin. Wegen der Bestattungs- und Erdverhältnisse auf dem Platz wären ohnehin nur Urnenbestattungen möglich. Und für Katholiken gibt es seit langem einen eigenen Bereich auf dem Schweriner Waldfriedhof, der gut genutzt wird.

Eine Bebauung des Geländes, etwa mit Wohnhäusern, würde sich vielleicht rechnen. Aber eine solche Nutzung ist nach Einschätzung des Arbeitskreises „nahezu völlig ausgeschlossen.“ Die Toten müssten aufwändig umgebettet werden. Der Friedhof steht nicht nur unter Denkmalschutz, sondern ist wegen des polnischen Soldatengrabs noch zusätzlich durch das Kriegsgräbergesetz geschützt. 

Was für Möglichkeiten bleiben?  Die Trauerhalle könnte saniert und als Kolumbarium umgestaltet werden. Vorsichtige Kostenschätzungen liegen bei 130 000 Euro. Wenigstens 50 Bestattungen müssten jährlich im Kolumbarium stattfinden, um die Kosten der Sanierung der Kapelle aufzufangen, so der Arbeitskreis. Erforderlich wäre aber der deutliche Wille der Pfarrei und eine Unterstützung durch das Bistum. Im Pastoralkonzept der Pfarrei taucht der eigene katholische Friedhof nicht mehr auf, wohl aber in den betriebswirtschaftlichen Auswertungen.

Der Caritas-Fachdienst für Menschen in besonderen Lebenslagen kümmert sich derzeit um die Pflege des Friedhofes. Mitarbeiter schneiden Bäume und Pflanzen, pflegen den Rasen und sichern Grabsteine. So hat der Friedhof immer noch einen guten Sinn: er ein stiller Ort, den viele Anwohner der dicht bebauten nördlichen Innenstadt aufsuchen. 

In den nächsten Monaten sollen Grabplatten in Erinnerung an die Opfer der Weltkriege und deutscher Diktaturen aufgestellt werden. Sondierungsbohrungen werden vorgenommen, um weitere Kriegsgräber lokalisieren zu können. Die Zukunft des Friedhofs bleibt ungewiss – ein herzog­liches Geschenk, das der Gemeinde heute mehr Kopfzerbrechen als Freude macht. 

Text: Bernd Loscher