27.11.2019

Weihnachten auf Deutsch

Hallo, wir sind neu in Deutschland! Unter dieser Überschrift suchten per Pfarrbrief kürzlich in Schwerin junge indische Katholiken Kontakt zur Gemeinde. Amar Kappen und Malavika Maya haben diesen Kontakt schon gefunden. 

Die indischen Zahnärzte Amar Kappen (rechts) und Malavika Maya (links) mit Thomas Hilgemann (Mitte)

Amar Kappen (rechts) ist katholisch, Malavika Maya (links) ist Hindu. Thomas Hilgemann (Mitte) hilft den beiden indischen Zahnärzten, in Schwerin Kontakt zu finden. Foto: Antonia Schindler

Seit zwei Jahren schon leben Amar Kappen und Malavika Maya in Deutschland. Beide sind 26 Jahre alt. Beide stammen aus Südindien und sind von Beruf Zahnärzte. Er ist katholisch und besucht jeden Sonntag die heilige Messe in Sankt Anna. Sie ist hinduistisch, trotzdem geht sie ab und an mit in die Kirche.

Malavika Maya taut einen Kuchen auf und gibt Amar Kappen und Thomas Hilgemann je ein Stück. Sie sitzen gemütlich in Mayas Wohnung und unterhalten sich. Hilgemann ist Mitglied im dritten franziskanischen Orden. Er hat die beiden Inder unter seine Fittiche genommen, ihnen unter anderem dabei geholfen, Wohnungen in Schwerin zu finden. Malavika ist dann noch mal umgezogen und wohnt mittlerweile etwas außerhalb der Stadt, in dem Ort Plate – in einem Haus direkt neben der Zahnarztpraxis, in der sie arbeitet.

Malavika und Amar fühlen sich in Deutschland wohl. Die Kultur gefällt ihnen, vor allem zur Weihnachtszeit. „Ich finde Weihnachtsmärkte toll. So etwas gibt es bei uns in Indien nicht“, erzählt Amar Kappen. Das Weihnachtsfest gibt es natürlich auch in Indien – nur wird es nur von der Minderheit der Christen gefeiert. „Ich komme aus einem Ort, in dem es zwar verhältnismäßig viele christliche Kirchen gibt und wir verbringen auch den Heiligen Abend mit der Familie wie hier in Deutschland. Aber in meiner Heimat werden die Straßen nicht so geschmückt und die Gesellschaft ist nicht so christlich geprägt.“ 

Für Malavika Maya ist die Weihnachtszeit vor allem eines: interessant! „Als Hindu habe ich natürlich nie Weihnachten gefeiert und auch diese ganze Stimmung noch nicht erlebt. Aber es gefällt mir sehr. Hindus haben andere Feste, über das ganze Jahr verteilt.“ 

Weihnachten ist für Amar immer die Zeit im Jahr gewesen, die er mit seiner Familie verbracht hat: „Ich vermisse meine Eltern schon. Von daher ist es sehr nett, dass ich Weihnachten bei Thomas feiern kann. Malavika und ich sind zu seiner Familie eingeladen.“

In Indien gibt es keine Weihnachtsmärkte

Thomas Hilgemann unterstützt die beiden auch bei beruflichen Angelegenheiten. Malavika und Amar sind in ihrer Heimat ausgebildete Zahnärzte, in Deutschland haben sie einen anderen Status. Hier sind sie Assistenz­ärzte mit Arbeitserlaubnis. Sie müssen ihre Approbation – also Zulassung zur Ausübung des Berufs – noch nachholen und dafür Anfang kommenden Jahres eine Prüfung ablegen. Thomas Hilgemann hilft den beiden zum Beispiel, wenn sie Fragen rund um die Organisation und zur Bürokratie und komplizierten Formularen haben, die sie ausfüllen müssen. Außerdem ermutigt Hilgemann die beiden jungen Menschen dazu, am Vereinsleben teilzunehmen. Vor allem für Mala­vika ist es derzeit noch schwierig, viel zu unternehmen. Die Zeit fehlt dazu. Sie macht neben der Arbeit gerade ihren Führerschein – bisher hat sie keinen und ist für den Weg von Plate nach Schwerin auf Bus und Bahn angewiesen, der Nahverkehr fährt nicht sehr häufig. Deshalb fährt Thomas Hilgemann sie ab und an nach Schwerin und zurück.

Er hilft beiden, sich hier einzurichten und eine Existenz aufzubauen. Denn sowohl Malavika als auch Amar sehen ihre Zukunft bis auf Weiteres in Deutschland, genauer gesagt, in Schwerin und Umgebung.

Text u. Foto: Antonia Schindler