21.12.2022

Weihnachten im Sommer

Wenn in Deutschland die Sonne am niedrigsten steht, sind die Tage in Südafrika am längsten. Christbaumschmuck ist selten zu sehen, andere Bräuche sind ähnlich wie bei uns. Ein Weihnachtsgruß von Bruder Benedikt (Kloster Nütschau), zur Zeit in Afrika.

Wenn es in Deutschland kälter wird, steigen in Südafrika die Temperaturen. An einem Taizé-Wochenende in Hartbeespoort nordwestlich von Pretoria erkundeten Firmlinge Wege eines Labyrinths. | Foto: Br. Benedikt A. Hülsmann

Es ist kaum adventliche Beleuchtung in Pretoria zu sehen. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich am Abend nur noch selten durch die Stadt fahre. Dann plötzlich, aus dem Musikraum der Deutschen Schule in Pretoria, höre ich dieses Lied: „Kling, Glöckchen, Klingelingeling… Lasst mich ein ihr Kinder, s’ist so kalt der Winter. Öffnet mir die Türen, lasst mich nicht erfrieren!“

Dabei sind es außen fast 30 Grad. Ach ja, es ist Advent und bald Weihnachten. Die Temperaturen werden bis Weihnachten nicht mehr fallen. Es gibt viele Gewitter in Johannesburg. Die bringen den ersehnten Sommerregen, denn in der Winterzeit regnet es gar nicht. Wenn dann der erste Regen kommt, freuen sich alle. Aber nicht lange… Das Wetter ist auch hier immer ein Thema.

Weihnachten in Johannesburg und Pretoria. Die Geschäfte haben nicht die große Auswahl wie in Deutschland. Weihnachtsschmuck ist eher selten zu sehen. Das ist mir ganz recht. Auf weihnachtliche Produkte aus Deutschland muss ich allerdings nicht verzichten. Sie sind nur teurer. Und nicht selten ist die Schokolade schon ein wenig weiß, weil es der Schokolade hier leicht zu warm wird.

Auch auf selbstgebackene Plätzchen muss ich nicht verzichten. Silvia, eine Industriedesignerin aus Bayern, backt, was sie nur backen kann, und macht damit vielen eine Freude. Am Nikolaustag musste ich an meine Kindheit im Oldenburger Land denken. Wenn Knecht Ruprecht und der Nikolaus kamen, durften nicht die Mehlbolzen – leckere Plätzchen mit Zuckerguss und Hirschhornsalz – im Sack fehlen. Die habe ich hier noch nicht gefunden, aber immerhin im Internet das Rezept dazu.

Apropos Nikolaus: Im vergangenen Jahr war ich noch in Seoul, spielte dort im Kindergarten den Nikolaus. Dieser Kelch ist in diesem Jahr an mir vorübergegangen. Wissen Sie, wie es ist, wenn man einen Bart trägt, den schon viele Menschen vor einem getragen haben? Leicht vergilbte Kunstfasern, und überall juckt es…

In Pretoria hatten wir für die Seniorenmesse noch schnell einen roten Strumpf gekauft und eine süße Leckerei aus Deutschland für jeden hineingesteckt. Die Freude war groß, auch ohne Bart und Kostüm.

Eine mitternächtliche Christmette gibt es nicht

Als Pfarrer der deutschsprachigen Gemeinden muss ich für die Gottesdienste Lieder aussuchen. Was singt man zum ersten Advent? Natürlich: „Wir sagen euch an, den lieben Advent.“ Ein Lied, das ich nicht wirklich mag wegen Erfahrungen aus Kindertagen. Aber ich kann noch alle vier Strophen auswendig. Und natürlich habe ich es auch hier genommen. Denn es gibt den Deutschsprachigen ein Gefühl, zuhause zu sein.

Meinen Adventskranz habe ich mir erst am Montag nach dem ersten Advent gekauft. Er ist mit Sukkulenten bestückt. Die wachsen in einer großen Artenvielfalt in den Gärten. Tannengrün gibt es hier nicht.

Mitte Dezember schließen fast alle handwerklichen Betriebe. Die großen Sommerferien beginnen. Viele Deutsche fliegen nach Deutschland. Viele Deutsche kommen aus Deutschland nach Südafrika. Ich bin gespannt, wie der Besuch der Gottesdienste ausfallen wird. Eine Christmette um Mitternacht wird es nicht geben. Die Menschen fahren aufgrund der hohen Kriminalität und der vielen „Potholes“, der Schlaglöcher, nicht gerne durch die Nacht. Und unsere Gemeinde ist alt. Beide deutschen Gemeinden in Johannesburg und Pretoria waren vor einigen Jahren noch sehr groß. Es gab viel Einwanderer, die ins Land gerufen wurden. Auch ich habe Verwandte am Kap der guten Hoffnung. Auch wegen ihnen habe ich mich vor mehr als 30 Jahren in das Land verliebt.
 
Weihnachten in Südafrika. Es wird ganz anders sein als in Deutschland und im Kloster Nütschau. Ich mag zwar nicht so sehr die Sache mit den Geschenken und dem vielen Essen. Weihnachten ist für mich sehr wichtig, weil ein Kind geboren wurde. Ich kann mich Kindergesichtern nicht entziehen. Davon gibt es hier viele. Es ist ein junges Land.

Wir wissen nie, was aus einem Kind wird. Maria und Josef wussten auch nicht, was aus ihrem Sohn Jesus werden würde. Für mich ist er der Größte, weil er für mich der Retter meines Lebens ist. Überhaupt, für uns Christen ist er der Retter der Welt. Das möchte ich gerne feiern und auch nicht aus dem Blick verlieren. Auch wenn ich mich durch die viele Schlagsahne und den Puderzucker erst zum Wesentlichen durcharbeiten muss. Meine herzlichsten Wünsche für Sie im hohen Norden zum Weihnachtsfest. Der Segen Gottes wird immer mit Ihnen sein.
 
Ihr und euer Br. Benedikt A. Hülsmann OSB