15.09.2021

Der Pastorale Raum Hamburg-Süd wird zur Pfarrei St. Maximilian Kolbe

Weite Wege zu neuen Chancen

Am 19. September wird der Pastorale Raum Hamburg-Süd zur Pfarrei St. Maximilian Kolbe. Insbesondere die Schulschließungen haben in dem von vielen sozialen Herausforderungen geprägten Gebiet für Unmut gesorgt. 

Fronleichnamsfeier im Harburger Stadtpark

Die drei Gemeinden, die nun die Pfarrei St. Maximilian Kolbe bilden, feierten vor Corona bereits Fronleichnam mit einem Fest am Sonntag nach dem Feiertag im Harburger Stadtpark. Foto: Matthias Greve

„Der Zusammenschluss in der neuen Pfarrei kann eine große Chance sein“, sagt Ulrike Seyffarth. Die 51-Jährige ist Lehrerin an der St. Bonifatiusschule in Wilhelmsburg, wo sie nicht nur Mathematik, Sachkunde, Deutsch,  Musik und Religion unterrichtet, sondern auch zuständig ist für die Schulpastoral. Und sie war im Pfarrgemeinderat der Gemeinde St. Bonifatius, die am 19. September in der neuen Pfarrei St. Maximilian Kolbe aufgeht. Dazu gehören noch die Gemeinden St. Maria und St. Joseph in Harburg, die bislang schon zu einer Pfarrei zusammengefasst waren, sowie Heilig Kreuz in Neugraben.

Chancen sieht Seyffarth vor allem in der Vernetzung der Gemeinden und einem daraus erwachsenden größeren und vielfältigeren Angebot für jedes Mitglied der neuen Pfarrei. Dies könne etwa in der Seniorenarbeit der Fall sein oder in der Katechese. Heinz Slenczek, Pfarrgemeinderatsvorsitzender von Heilig Kreuz, der wie Seyffarth auch zum Gemeindeteam der neuen Pfarrei zählen wird, sieht das allerdings skeptisch. Von Neugraben seien es weite Wege nach Harbung und Wilhelmsburg, die kaum einer auf sich nehmen werde. Und umgekehrt würden deshalb wohl auch kaum Kinder aus den anderen Stadtteilen nach Neugraben kommen, um auf die Kommunion vorbereitet zu werden, was dort nicht in der üblichen Unterrichtsform geschehe.  

„Erbost“ sei man in Neugraben laut Slenczek auch über die 2023 erfolgende Schließung der katholischen Schule in dem Stadtteil. Ähnlicher Unmut zeigt sich freilich auch in Harburg, wo das Nils-Stensen-Gymnasium geschlossen wird. „Wir haben hier viel einstecken müssen“, klagt Ulrike Seyffarth. „Die Schulschließungen haben hier für viel böses Blut gesorgt“, berichtet auch Peter Meinke, Diakon im Ruhestand. 

Außerschulische
Jugendarbeit nötig

Der künftige Pfarrer von St. Maximilian Kolbe, Stefan Langer, sagte daher schon im vergangenen Jahr, als er Pfarrer der Gemeinde St. Maria-St. Joseph wurde, „wir müssen überlegen, wie wir andere Konzepte für Kinder und Jugendliche entwickeln.“ Die außerschulische Jugendarbeit bildet daher einen Schwerpunkt im Pastoralkonzept, das unter Leitung von Pater Jacques Kamba entstand. Dafür seien jetzt zwei Stellen ausgeschrieben worden, berichtet er. „Wir hoffen, dass das Engagement vom Erzbistum  auch personell und finanziell mitgetragen wird.“

Angebote für Kinder und Jugendliche, aber auch für Senioren wird in der Pfarrei unter anderem der Malteser Campus St. Maximilian Kolbe  bieten, dessen Eröffnung für das kommende Jahr geplant ist. Er umfasst das Malteserstift und die ihm gegenüberliegende 2015 profanierte Kirche gleichen Namens an der Krieterstraße in Wilhelmsburg. Der Campus ist als ein quartiersbezogenes interkulturelles Zentrum für Pflege, Wohnen, Beratung und Ausbildung geplant. Er soll laut eigener Website „ein Ort der Begegnung sein“, der zudem eine Hospizgruppe sowie Angebote für Menschen mit Migrationshintergrund bereithält.

In all diesen Bereichen zeigen sich die Herausforderungen der neuen Pfarrei. Auf ihrem Gebiet leben 24 000 Katholiken aus 110 Ländern. Die größte Gruppe bilden die Polen, gefolgt von portugiesisch- und spanischsprachigen Gläubigen, Italienern, Kroaten und Afrikanern aus Ghana, Togo, Nigeria und dem Süd-Sudan. Auch Pater Kamba kommt ursprünglich aus Schwarzafrika, genauer aus dem Kongo. „Der Name der Pfarrei ist Ausdruck des Miteinanders“, betont er. 

Der Franziskaner-Minorit Kolbe wurde 1894 nahe Lodz geboren als Sohn eines deutschstämmigen Vaters. 1918 zum Priester geweiht, gründete er bald darauf in der Nähe von Warschau ein Missionszentrum und ein katholisches Pressehaus. Nach der Besetzung Polens durch Nazi-Deutschland gewährte er unter anderem Juden Zuflucht, wurde deshalb 1941 in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert und dort ermordet. Papst Johannes Paul II. sprach ihn 1982 heilig. Gleichwohl: Der Name der Pfarrei ist natürlich auch eine Referenz an die Polen in der Pfarrei. Schon im 19. Jahrhundert kamen viele polnische Arbeiter in das Gebiet. St. Bonifatius wurde 1898 zunächst für sie errichtet. 

Viele Menschen sind Sozialhilfeempfänger

„Die verschiedenen kulturellen Gruppen führen oft aber auch ein Eigenleben“, berichtet Diakon Peter Meinke. Pater Kamba sieht es daher als eine Herausforderung an, sie alle einzubinden. Dies geschehe beispielsweise über Feste der Kulturen, wie sie noch vor Ausbruch der Coronapandemie in Neugraben möglich waren. Oder auch bei der Fronleichnamsfeier im Harburger Stadtpark, an der sich traditionell alle Gemeinden der Pfarrei beteiligen.

Das Gebiet der neuen Pfarrei ist zudem von sozialen Spannungen gekennzeichnet. Über dem Hamburger Durchschnitt liegen die Zahlen der Jugendlichen, der Kinder in Mindestsicherung, der Senioren, der Alleinstehenden, der Sozialhilfeempfänger. „Das Gebiet bleibt ein sozialer Brennpunkt“, sagt denn auch Pater Kamba. Für diese Zielgruppen engagieren sich in der neuen Pfarrei vor Ort über den Campus hinaus die Jugendhilfe von In Via, der Förderverein Generationenhaus Wilhelmsburg, einer Kooperation von Schule und Gemeinde St. Bonifatius sowie der Malteserstift, einer Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle sowie der Sozialdienst katholischer Frauen.

Text: Matthias Schatz